Francesco Tristano - Piano Circle Songs

Letztlich, dann doch

Francesco Tristano: "Piano Circle Songs" (Sony Classics)

Francesco Tristano: „Piano Circle Songs“ (Sony Classics)

Was haben Kaliber wie Wim Mertens oder Michael Nyman nur verbrochen, dass „minimal“ gehaltene Klavierstücke einen derartigen Zulauf haben? Dass der Korpus des Pianos als Eldorado menschlicher Sentimentalität herhalten muss, in deren Einzugsbereich mittlerweile unzählbar gewordene Protagonisten ihre Furcht vor Liszt und Chopin zu Markte tragen? Francesco Tristano gibt mit seinen Piano Circle Songs eine Antwort, die sich gewaschen hat.

Denn die Süße von Einaudi geht ihm ab, die Strenge von Lambert indes eher weniger. Klar vernehmbar ist der Dialog, den Francesco Tristano mit seinem Instrument aufgreift, ohne sich dabei allzu offensichtlich dem Hörer andienen zu wollen. So gelingt es ihm Distanz zu schaffen, bleibt in gewisser Weise gar autark. Im Bestreben einer Unendlichkeit Herr zu werden, die wiederum alles ausblendet, was das Kunstfertige zur Geilheit desavouiert.

Schon wie Karl Thesing kürzlich auf seinem herausragenden Kammermusik-Album Agité versteht es Francesco Tristano dem Gängigen nicht auf den Leim zu gehen. Ihm, Francesco, kommen dezent jazzige Schlenker zugute, die der handelsüblichen Melancholie den Zahn ziehen. Hier wird gearbeitet, kein Repertoire geleiert. Hochachtung. Und ja: Der Triangle Song mit Chilly Gonzales rührt zu Tränen. Das Knorkator Rip-Off (Circle Song II) übrigens auch. Zu bleiernen Lachtränen.

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