Vessels - The Great Distraction

Lug, Trug – und Lust

Vessels: "The Great Distraction" (Different Recordings/[PIAS] Coop/Rough Trade)

Vessels: „The Great Distraction“ (Different Recordings/[PIAS] Coop/Rough Trade)

Aufgelegt. Und ab die Post, die ultimative Hirn- und Hackensause – im latenten Beisein der Antizipation eines bösen Erwachens. Doch bis dahin, zur von Gastsänger John Grant intonierten und vom musikalischen Setting euphorisch affirmierten Katerstimmung (Erase The Tapes), lockt und leitet der Postrock/Electro-Fünfer aus Leeds auf seinem vierten Vollwerk The Great Distraction (Different Recordings/[PIAS] Coop/Rough Trade) schnurstracks in die Verführung von Moves’n’Grooves.

Na, schon sämtliche Betablocker intus? Wurde aber auch Zeit, denn Vessels lassen es hier und jetzt so dermaßen pulsieren, dass es krachen könnte. Und, um halbwegs im Bilde zu bleiben, führen sie

The Great Distraction seiner Eignung als Soundtrack zur digital gesteuerten Manipulation von Herzschrittmachern zu. Doch bleibt das idealisiert humane Mindset als mahnendes Regulativ vernehmbar. Trotz der Fülle synkopierter Anmaßungen von Raum oder Rhythmus. Unabhängig von jeglicher wohlwollend unterstellten Zweckmäßigkeit.

„Macht es gut, aber nicht zu oft“, scheinen Tom, Tim, Matin, Lee J. und Peter ihren Apoplexie-Verweigerungen mit auf den Weg gegeben zu haben. Angesichts der dynamisierten Affektkontrolle, mit der The Great Distraction frappierend zielsicher (eben nicht) deliriert, dürfte Hemmungslosigkeit in der gedacht mitgelieferten Bedienungsanleitung zur proto-ekstatischen Raison zumindest nicht an allererster Stelle stehen. Es sei denn als Warnhinweis.

Doch das sind allesamt bloße Vermutungen. Deren einziger Zweck darin besteht, eine emotionale Schieflage anzudeuten, die Vessels an sämtlichen Ecken, Enden und Kanten ihrer einnehmend anstrengenden Gemengelage in gar trügerischer Weise auf Kiellinie ziehen. Wer hier zugreift, mag sich die Fußsohlen verbrennen. Derweil das ZNS, spätestens nach gutem Zureden, halbwegs gesundet aus dem Faradayschen Becher steigt. Doch die Nacht wird noch lang, allein darauf ist Verlass.

26.10. Berlin (Prince Charles)
27.10. Hamburg (Kleiner Donner)
28.10. Köln (Arttheater)

Deflect The Light (feat. The Flaming Lips):
youtube.com/watch?v=wIbM84YmqPU

vesselsband.com
facebook.com/Vesselsband

 

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