Tony Buck - Unearth

Besser (als) nur Musik

Tony Buck: Unearth (Room40)

Tony Buck: Unearth (Room40)

Wem die in Fachkreisen hoch geschätzten Avantgardisten The Necks aus Down Under bisher unbekannt geblieben sind, dürfte sich an den 51:30 Minuten Laufzeit von Nacken-Schlagwerker Tony Bucks Soloalbum Unearth (Room40) die zweiten Zähne ausbeißen. Oder sein blaues Wunder erleben. Wie auch derjenige, der meint zu ahnen, was ihm auf diesem extrem verdichteten und schwärend aufwallendem Meisterwerk aus Texturen, Lärm und Suspense blüht.

Unearth entfaltet sich ohne Brüche, ohne Ordnung von Tracks: Als Lehrstück der Akzeleration, als Sinnbild an die Wand gefahrener Harmonie. Erwecken die ersten Minuten noch den Eindruck einer konzise aufbereiteten Meditation, erweist sich die Auflösung als expressiv verklausulierte Herausforderung für Körper, Geist und Seele.

Mag das Aufschichten von Drones sowie von Klängen mutmaßlich unbekannter Herkunft auch zunächst noch den Anschein der genehmen Freundlichkeit wahren: Spätestes die zwanzig Minuten, mit denen Unearth urgewaltig überwältigend ausklingt, insistieren auf ein hochkarätig ausgestattetes Verständnis, das man zwar jederzeit aufbringen kann. Jedoch nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Denn die Bilder, die Unearth letztlich evoziert, erfordern ein Nervenkostüm, dass sich längst an der irdischen Verfasstheit hat stählen können. Mehr fordernd als bloß anregend, hat Tony Buck etwas errichtet, dessen Dämonen vorsichtshalber lieber im Konjunktiv gewähnt werden sollten. Oder –  handelt es sich nur um Musik?

room40.bandcamp.com/album/unearth

dense.de

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