Meisterwerke der polnischen Musik XXXIV

Symphonien nur in der Seitentasche?

Bei einem Kirchenmusiker des 18. Jahrhunderts, der auch das Violaspiel studiert hatte, aber sonst nahezu ausschließlich für den geistlichen Gebrauch komponierte, nimmt es schon Wunder, wenn die kargen Reste von instrumentalen Werken überliefert sind. So verhält es sich mit den beiden Sinfonien von Adalbert W. Dankowski (1760 – ca. 1836). Hier wirken die beiden weltlichen Kompositionen zunächst wie ein Zugeständnis an die Bratsche, bei näherem Studium seiner Biographie aber stellt sich heraus, dass es sich um einen sehr ernst genommenen Tribut an die Gattung der Symphonie handelte, die in der Sattelzeit um 1780 einen nochmaligen enormen Aufschwung erlebte.

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In Posen wirkte Adalbert W. Dankowski um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert als Bratschist weiter (Kathedrale Peter & Paul, Posen, Błażej Cisowski, 24.9.2013, CC-Liz.).

In Posen wirkte Adalbert W. Dankowski um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert als Bratschist weiter (Kathedrale Peter & Paul, Posen, Błażej Cisowski, 24.9.2013, CC-Liz.).

Von 1792 bis wenigstens 1795 fungierte Adalbert Wojciech Dankowski, der sich (aus Zeit-, Tinten- oder einem anderen -mangel oder weil er den Spitznamen führte?) in frühen Schaffensjahren gerne in „Danek“ abkürzte, nämlich als Bratschist im Orchester des Lemberger Stadtorchesters, das zu der Zeit kein Geringerer als Józef Elsner leitete. Angesichts der kirchenmusikalischen Karriere wenigstens seit 1779, zunächst in der Zisterzienserkapelle von Kloster Obra, wo er womöglich ausgebildet wurde, später auf dem Posten eines Kapellmeisters der Kathedrale von Gnesen, muss dies einen tiefen Einschnitt oder eine nahezu völlige Neuorientierung bedeutet haben. Wie auch immer, noch im Anschluss an die Jahre in Lemberg arbeitete der selbst in Großpolen geborene Komponist in Posen als Musiker weiter, was aus einer Widmung zu einem mittlerweile verschollenen Werk hervorgeht.

Die raren weltlichen Werke Dankowskis liegen in einer Aufnahme mit dem Warschauer Opern- und Kammermusikorchester vor (B000Q7FYXU).

Die raren weltlichen Werke Dankowskis liegen in einer Aufnahme mit dem Warschauer Opern- und Kammermusikorchester vor (B000Q7FYXU).

Von seinem ehemaligen „Chefdirigenten“ Elsner wissen wir, dass Dankowski in den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts versuchte, Kompositionen bei den Musikverlegern Breitkopf & Härtel zu veröffentlichen oder aus anderem Grund mit diesen Briefe wechselte. Wohl auch, weil es Dankowski gelang, seine um 1790 und 1800 für Aufmerksamkeit sorgenden Werke im heutigen litauischen und ukrainischen Raum zu verbreiten, konnten sie sich bis heute im Repertoire der Orchester halten; es liegen diverse Einspielungen sowohl seiner Es-Dur-Symphonie als auch seiner Symphonie D-Dur vor, unter anderem mit dem Warschauer Opern- und Kammerorchester unter Mieczysław Nowakowski.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.