Typhoon - Offerings

Des Wahnsinns fette Beute

Typhoon: "Offerings" (Roll Cat/House Arrest/Alive)

Typhoon: „Offerings“ (Roll Cat/House Arrest/Alive)

Offerings (Roll Cat/House Arrest/Alive), das am Freitag erscheinende und nunmehr fünfte Album des elfköpfigen Artrock-Kollektivs um Nukleus Kyle Morton aus Salem (Oregon), avanciert im Laufe seiner über 65 Minuten währenden Laufzeit zum ersten Anwärter auf einen Eintrag in die Bestenliste des Jahres 2018. Denn was auch immer noch kommen mag: Die sinnlich präzise aufbereitete Quadriga eines zunächst schleichenden, dann vernichtenden Identitätsverlusts zeugt von höchster musischer Luzidität und unwiderstehlicher Immersionskompetenz.

Am Ende ist Aufatmen angesagt, nachdem im Laufe des Vernehmens von Offerings so manch vegetative Verrichtung ins Stocken geraten musste. Ein Aufatmen, das sich trotz des konsequenten Vollzugs der konzeptionellen Diegese einstellen muss, damit das Leben weitergehen kann. Wenn fortan auch mit der Erkenntnis: Wehret den Anfängen! Bei den ersten Anzeichen geistig-mentaler Inkongruenz sofort einen Experten konsultieren.

In halbwegs nüchterne Worte gefasst, gilt das erste Sonderlob der immens organischen Auffächerung des Ensembles. Ein jedes Mitglied fügt sich jenen Prämissen, die Kyle Morton auf einem soliden, schnörkellosen Rock-Fundament sät. Selbstverliebtes Auffahren von Pomp and Circumstance, das den elf Beteiligten durchaus zuzugestehen wäre, bleibt völlig außen vor.

Typhoon (Jeremy Hernandez)

Typhoon (Jeremy Hernandez)

Diese Ökonomie, zweite applaudierende Hervorhebung, kommt in gleichem Maße der Intimität sowie der Nachvollziehbarkeit zugute. Offerings wirkt also nicht nur authentisch, sondern fällt, – auch aufgrund eines vokalen Vortrags, der zwischen Betroffenheit und Distanz oszilliert, mit seinem Thema gleichsam in eins.

Bleibt noch jene Zugänglichkeit zu betonen, mit der sich dieses Meisterwerk schon beim ersten Hördurchgang ins Gedächtnis und in die Eingeweide frisst. Das Schlimme daran: Offerings macht – vermutlich – schneller süchtig als Crystal Meth – oder Liebe. Schon bedauernswert, wenn sich hier und heute noch jemand gezwungen sieht, irgendeine andere musikalische Darbietung wahrzunehmen. Aber darum muss es demjenigen ja nicht gleich so ergehen wie dem Protagonisten dieser mit heiß-kalt kalkulierter Perfektion ausgestatteten Demonstration von Kraft und Empathie. 

Rorschach:
youtube.com/watch?v=8a9Gt5DUQ9E

10.03. Hamburg (Knust)
14.03. Berlin (Musik & Frieden)
20.03. Köln (Arttheater)

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