6. Symphoniekonzert der Saison

Einmal Dutilleux und zurück

Neuer Generalmusikdirektor des Theaters Erfurt wird zur nächsten Saison der Kreter Myron Michailidis, den das Publikum bereits in der Spielzeit 2016/17 anlässlich der Aufführung von Riccardo Zandonais Oper Giulietta e Romeo kennenlernen durfte. Der über alle Weltmeere gereiste Dirigent leitete unter anderem das Shanghai Opera House Orchestra, das Mexico State Symphony Orchestra und das George Enescu Philharmonic Orchestra. Eine Grammy-Nominierung brachte ihm die Aufnahme von Greek Classics ein. Für einen längeren Zeitraum wirkte er in Thessaloniki, ab 2011 in Athen als Künstlerischer Direktor der Nationaloper. Für ein erlesenes Programm trat er gestern erneut ans Pult des Philharmonischen Orchesters Erfurt.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Das erste Symphoniekonzert des Theaters Erfurt im neuen Jahr 2018 galt vor allem dem lyrisch basierten Werk französischer Komponisten (Theater Erfurt).

Das erste Symphoniekonzert des Theaters Erfurt im neuen Jahr 2018 galt vor allem dem lyrisch basierten Werk französischer Komponisten (Theater Erfurt).

Die Verbindung zur griechischen Kultur gewährleistete zu Beginn des Konzertabends Debussys elegisch-lyrisch grundiertes Orchesterstück Prélude à l’après-midi d’un Faune, das zwischen 1891 und 1894 entstand und seinerzeit als ungewöhnlich, aber klangschön eingeschätzt wurde. Es fußt nur vage auf einem bereits dreißig Jahre älteren Gedicht Stéphane Mallarmés und diente Claude Debussy lediglich als Inspirationsquelle. Nach der Uraufführung wurde ihm das „Fehlen von Stil“ und „Logik“ attestiert, doch erlangte der Komponist damit erstmals breite Anerkennung im Publikum.

Zum Auftakt war gestern Abend und ist heute Abend um 20 Uhr Claude Debussys 'Prélude à l'après-midi d'un Faune' zu erleben (Nadar, ca. 1908, p.d.).

Zum Auftakt war gestern Abend und ist heute Abend um 20 Uhr Claude Debussys ‚Prélude à l’après-midi d’un Faune‘ zu erleben (Nadar, ca. 1908, p.d.).

Chronologisch einen weiten Sprung nach vorne nahm das Philharmonische Orchester unter Myron Michailidis mit Henri Dutilleux‘ 1970 entstandenem Violoncellokonzert Tout un monde lointain, das aber gleichermaßen auf einem Gedicht der impressionistischen und symbolistischen Literatur, nämlich auf Charles Baudelaires Das Haar beruht. Der Solist des Abends, Valentino Worlitzsch, ist Künstler der Stiftung Deutsches Musikleben. Nach seinem Studium in Hamburg und Paris trat der 1989 geborene Musiker mit zahlreichen bedeutenden Orchestern auf und gewann beim Deutschen Musikwettbewerb 2016. Im Oktober letzten Jahres erschien beim Label Genuin! seine Debut-CD mit Werken von Beethoven, Schumann, Britten und Ysaÿe.

Henri Dutilleux (1916 - 2013) beim Internationalen Komponistenwettbewerb 2004 (Brianthebrain2, 23.7.2014, CC-Liz.)

Henri Dutilleux (1916 – 2013) beim Internationalen Kompositionswettbewerb 2004 (Brianthebrain2, 23.7.2014, CC-Liz.)

 

Wieder zurück in der Musikgeschichte ging es zum zweiten Teil des Konzerts mit Tschaikowskys 6. Symphonie ‚Pathétique‘ in h-Moll. Mit dem großen Apparat eines romantischen Symphonieorchesters konnten sich die Erfurter Instrumentalisten auch dynamisch voll entfalten, denn dem Titel gemäß stehen die leidenschaftlichen Gedanken und Gefühle des Komponisten ganz im Vordergrund, den Anschluss an Claude Debussy leistet die elegische Stimmung, auf deren Basis Tschaikowsky seinen Melodienreichtum entfaltet. Diesem Grundton trug der langsame Schlusssatz, der in symphonischen Werken einen absoluten Sonderfall darstellt, in Michailidis‘ Interpretation deutlich Rechnung.

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.