Der ausdauernde Wladimir Kaminer

Vechta. Man kann schon sagen: Wladimir Kaminer ist ausdauernd. Nicht etwa, weil der deutsch-russische Autor stundenlang aus seinen Büchern vorliest. Das macht er nämlich gar nicht unbedingt. Kaminer erzählt viel lieber. Etwa von seiner Gartenkarriere, oder wohin er im vergangenen Jahr gereist ist, und dass er also in Finnland und den USA mit seiner Russendisko die deutsche Kultur vertreten müsse. Dabei ist Russendisko, sein Erstlingswerk und die dazugehörige russische Musik, die er seit 13 Jahren alle zwei Wochen als DJ in der Berliner „Russendisko“ auflegt, vielmehr ein Mix aus deutscher und russischer Kultur. „Aber das ist selbst in Sibirien der deutsche Kulturexport“, sagt er im Metropol-Theater.

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Publikumsnah: Unermüdlich signiert Wladimir Kaminer Bücher. Foto: Tajdel

Publikumsnah: Unermüdlich signiert Wladimir Kaminer Bücher. Foto: Tajdel

Dort erzählte er vor knapp 240 Zuschauern im Rahmen des Vechtaer Bücherfrühlings Geschichten aus seinem Leben. Meist sind das satirische, blumig geschriebene Erzählungen mit einen Anflug von Poesie. Zum Beispiel „Die gut begründete Grimmigkeit der Russen“ oder „Der deutsche Mann“, in der er seine Beobachtungen über die deutsche Männlichkeit augenzwinkernd zum Besten gibt. „Das Protzen und sportliche Anbaggern wie es die Russen zeigen, ist dem deutschen Mann fremd“, so der Autor.

Und ja, Kaminer ist unheimlich ausdauernd. Denn wer am Montagabend das Metropol-Theater betrat, sah als erstes Wladimir Kaminer. Der saß neben dem Büchertisch und signierte fleißig seine Bücher, darunter auch sein neuestes Werk „Onkel Wanja kommt“, und beantwortete Fragen. Und dort saß er auch in der Pause und plauderte und signierte und auch nach der gut zweistündigen Lesung führte sein erster Weg sofort wieder zu dem Platz neben dem Büchertisch.

Russendisko-CDs habe so gut wie niemand gekauft.

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Über Marie-Chantal Tajdel

Über Marie-Chantal Tajdel: Freie Journalistin/Autorin. Tätig für verschiedene Tages- und Wochenzeitungen in Norddeutschland. Vorlieben: Querbeet von Klassik und Barock über Oper und Chormusik bis zu Alternative, Punk Rock und Metall - nur handgemacht muss die Musik sein. Außerdem eine Liebe zu Kunst, Literatur, Theater - und fürs Segeln.