Doc Schoko - Stadt der Lieder

Mal ganz im Ernst

Doc Schoko: "Stadt der Lieder" (Staatsakt/Caroline International)

Doc Schoko: „Stadt der Lieder“ (Staatsakt/Caroline International)

Aus dem „Land“ (Peter Alexander) in die Stadt der Lieder (Staatsakt/Caroline International, ab 2. Februar) – Doc Schoko weiß und weist den Weg: In den Common sense der Marginalisierten, den Singalong derjenigen, denen außer Hopfen und Malz alles längst verloren ging. Dabei windet sich der einst von Dortmund aus in Neukölln Gestrandete – wie urbane Nullnummern vor der nächsten physisch-mentalen Diskontierung (vulgo: Mega-Kater) – todernst und behände von einem erloschenen Leuchtturm zum nächsten Halt. Mit Bock auf Rock. Und sämtlichen Schikanen, die der endogene Blues als Basso continuo so einschenkt.

Ob nun im Modus der Gerinnungshemmung (Morgen bin ich wieder da) oder im trägen Fluss des Sputums aus eingestandenem Selbstmitleid (Hawaii): Nur wer die Sehnsucht kennt, versteht Doc Schoko. Und Doc Schoko versteht sich auf die Setzung angemessen spröder Affirmation. Und mehr noch: Seine kühne Art, jeglichen Anflug der komischen Distanz im Keim zu ersticken, kann aufs generöse Abnicken allenfalls halbwegs Betroffener locker verzichten.

Es ist eben nicht die „alte Pizza am Bahnhof“, wie sie einst von Der Plan eher scherzhaft besungen wurde. Sondern das schale Bierchen am Wegesrand, das gefunden und getrunken werden muss (selbst auf die Gefahr hin, dass der Vorbesitzer präventiv reingepisst hat) – „es ist warm, es ist alt, doch es ist Sprit.“ Heutzutage muss man noch nicht einmal allzu tief gesunken sein, um zu kapieren, was da dräut – und von Doc Schoko mit ziemlich nüchternen Worten aufgedröselt wird.

Abgesehen davon – und um Missverständnissen bezüglich der dargebotenen Menge an Verständlichem vorzubeugen – besticht Stadt der Lieder dito mit einer musikalisch agilen Fasson. Anhand sich gebührend echauffierender Kontrapunkte: Mit und gegen die ermattete Wüstenei (Trocken – ein Kloß / Koloss von Song!), in Relation zum alert retardierten Ausdruck (Pferdekopfnebel – Alpträume statt Schäume!). In etwa so. Aber ganz bestimmt.

Bierchen:
youtube.com/watch?v=N1hVKb-SudA

Hirnfriedhof:
youtube.com/watch?v=dd4pxqbrnt0

Release-Party: 17.03. Berlin (Acut Macht Neu)

docschoko.de
facebook.com/Doc-Schoko-147377041985623/

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