Hookworms - Microshift

Stayin‘ Alive

Hookworms: "Microshift" (Domino Records/GoodToGo)

Hookworms: „Microshift“ (Domino Records/GoodToGo)

Die beziehungsreiche Headline drängt sich auf, wenn die personifiziert sensationellen Psychnoise-Depropunks aus Yorkshire zum Auftakt ihres dritten Albums plötzlich und unerwartet zum munteren Disco-Schwoof auffordern. Und das ist erst der Anfang einer durchgängig faustdicken Überraschung, deren gewählte Benennung als glatte Untertreibung gewertet werden darf. Dass Microshift (Domino Records/GoodToGo, ab 2. Februar) jedoch als eine seriöse Ausdrucksform der hauseigenen Evolution durchgeht, ohne kategorisch auf die Brachialdynamik der Mutation zu setzen, relativiert die anfängliche Irritation.

So vollzieht der erwähnte Einsteiger Negative Space mit seinen gar monströs anmutenden sieben Minuten der Selbstexegese eben nicht nur einen Bruch mit den bisherigen Signaturen. Sondern kittet sie im letzten Drittel des Songs sogar umgehend wieder zusammen. Wenn auch in einer Konstellation, die (nahezu) völlig neue Sichtweisen auf das Kreativpotenzial der Hookworms offenbart.

Das kommt davon, wenn eine zu höheren Abstraktionsgraden befähigte Band Studioaufnahmen nicht mehr länger nur zum Anlass nimmt, die eigene Live-Energie möglichst authentisch zu konservieren. Sondern sich (ausnahmsweise mal?) darauf einlässt, mit technischer Unterstützung die eigenen Tellerränder zum Infinite Pool zu erklären. Im Hinblick auf die längst dick geschwollenen Erwartungshaltungen sicherlich ein riskantes Unterfangen. Doch keine Vorbehalte bitte, der zentrale Über-Track Opener (8:37) weist exemplarisch den Weg in die affirmative Rezeptionsleistung.

Hookworms (Hollie Fernando)

Hookworms (Hollie Fernando)

Denn es groovt, brummt, grummelt und rumort nach wie vor tüchtig im Fundament. Nur dass Hookworms ihr latentes Unwohlsein nunmehr anhand von großmütig gestreuten, hedonistischen Reizen ausstatten, deren Kompromissfähigkeit indes keineswegs den Konsens um jeden Preis erheischt. Vielmehr stimmen Nähr- und Nutzwert vollkommen überein. In diesem Sinne bringt es die prall gefüllte Song-Miniatur Boxing Day auf den Punkt: Das eingekapselt fiese Element duelliert sich mit rhythmischem Preschen – und erzeugt so eine dialogische Form, die jegliches Ressentiment pulverisiert.

Also lädt Microshift gleichermaßen zum freudigen Aus-der-Haut-Fahren wie auch zum reinigenden Kopf-gegen-Wände-Klatschen ein. Apropos: Applaus, Applaus, Applaus.

Negative Space:
youtube.com/watch?v=xufAOZiYF6c

05.02. Berlin (Privatclub)

hookworms.website
facebook.com/Hookworms

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