Der Apfel fiel nicht weit vom Stamm: Der Gründer des berühmten Bostoner Männerchors Apollo Club, Benjamin Johnson Lang, wurde, was die eine Facette seines Wirkens, nämlich das Komponieren betrifft, von seiner ältesten Tochter beerbt. Margaret Ruthven Lang (1867 – 1972) zeigte besonders im Violinspiel eine besondere Begabung und studierte früh jenseits des Ozeans, bei Ludwig Abel in München, dieses Instrument, dazu Kontrapunkt und Fugentechnik mit Victor Gluth. Zurück in Boston erweiterte sie ihr Können und Wissen bei John Knowles Paine, George Whitefield Chadwick und James Cutler.

1967 hatte die einst produktive Komponistin Margret Ruthven Lang hochbetagt noch einmal die Ehre, zu einer Aufführung ihrer Werke einen besonderen Platz mit eigens gefertigter Plakette in der Bostoner Konzerthalle zu erhalten  (Fotografie um 1900, US p.d.).
1967 hatte die einst produktive Komponistin Margaret Ruthven Lang hochbetagt noch einmal die Ehre, zu einer Aufführung ihrer Werke einen besonderen Platz mit eigens gefertigter Plakette in der Bostoner Konzerthalle zu erhalten (Fotografie um 1900, US p.d.).

Popularität erreichte Margaret Ruthven durch ihre Klavierstücke und mehr als zweihundert Kunstlieder, wenngleich ihr Gesamtwerk auch Literatur für die Violine, drei Ouvertüren, eine Kantate und ein Streichquartett einschließt. Typisch noch für die Dekaden im Übergang zum 20. Jahrhundert war freilich, dass sie als Frau in den größeren Formen kaum Gehör fand: Man brachte zwar ähnlich wie in Europa der ausübenden Pianistin oder Geigerin Wertschätzung entgegen, im Kompositionsfach sollte aber das „Heimchen“ weitestgehend „am Herd bleiben“ und sich allenfalls mit der Kammermusik für die eigenen vier Wände beschäftigen.

Doch ging sie mit der Uraufführung ihrer Dramatic Overture im April 1893 weit über diese eng gesteckten Grenzen hinaus: Arthur Nickisch dirigierte zur Premiere das Boston Symphony Orchestra. Und wenig später führte Theodore Thomas ihre zweite Ouvertüre Witichis anlässlich der World’s Fair in Chicago auf. Nach 1919, als eben ihre Sammlung Three Pianoforte Pieces for Young Players veröffentlicht worden war, vollzog sie eine innerliche Wendung ganz zur Religion hin und trat in Boston der Adventistenkirche bei, in deren Gemeinde sie auch Devotionalienliteratur schrieb. Einige ihrer musikalischen Werke sind dank Hildegard Publishing heute aber wieder greifbar, unter anderem vergnüglichere Piecen wie Nonsense Rhymes and Pictures by Edward Lear, O Jala oder Snowflakes.

 

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert