Son Lux: "Brighter Wounds" (City Slang/Universal)
Son Lux: „Brighter Wounds“ (City Slang/Universal)

Brighter Wounds (City Slang/Universal, ab 9. Februar) – das originär-eklektizistische Spiel mit der Ambivalenz erfährt auf dem vierten Album von Ryan Lott (und seinen erfahrenen Zuarbeitern Rafiq Bhatia und Ian Chang) eine Zäsur. Verströmten die gerechterweise aufsehenerregenden Werke zuvor – At War With Walls And Mazes (2008), We Are Rising (2011), Lanterns (2013) und Bones (2015) – die emotionale Valenz von zugleich klinisch kühl und kühn gehaltenen Fallstudien, sieht sich diese bis dato stilbildende Rigorosität nunmehr in ihr Gegenteil verkehrt.

Um diese neuartig privat-persönlich fundierte Ansprache zu spüren, sind die von Son Lux offensiv gewährten Background-Informationen über die am eigenen Leibe erfahrenen Kreisläufe des Lebens noch nicht einmal vonnöten. Der Soul bricht sich Bahn; das Artifizielle wird zum Mittel, das sämtliche Zwecke zwar nicht gleich heiligt, aber in den Stand der seligmachenden Koinzidenz aus Einfühlung und Nachvollziehbarkeit versetzt. Anders gesagt: Der profane Nutzwert Son Lux’scher Koordination war nie höher einzuschätzen. Brighter Wounds rührt.

Mit den Orchestron-Chören des Openers Forty Screams, wo nicht allein die syntaktisch gesetzten Synth-Brüche prog-barocke Ahnungen zwischen Cockney Rebel (Sebastian) und Queen (Innuendo) aufkeimen lassen. Dem auf geradezu zynische Weise entkernten Stadion-Überschwang von Dream State, dem Abrissbirnen-Gospel von Labor. Womit noch nicht einmal das erste Drittel des Albums abgeschlossen wäre. Wer bereits jetzt nach einer ersten Verschnaufpause verlangt, braucht sich für dieses Bedürfnis nicht zu schämen. Son Lux plätten Physis und Gemüt, auch ohne des Hörers Nase ostentativ in sämtliche Haufen zu leiten.

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