Auf dem digitalen Markt

Noteneditoriale – und die Entwicklung geht weiter

Um 1960 begann es: Die ersten Musikcodierungssprachen wurden entwickelt. Für die Eingabe kamen drei Möglichkeiten in Gebrauch: entweder über die Tastatur des Computers, über eine mit dem PC verbundene Klaviatur oder durch die Einsetzung der (Noten-)Zeichen mit der Maus. Bei spezieller Musiksoftware kann man mit den  Einspielungsdaten ein entsprechendes Notenbild generieren. Nicht erst seit heute gibt es professionelle Notensatzprogramme, mit denen sich, qualitativ betrachtet, faktisch der herkömmliche Notenstich ersetzen lässt.

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Bei der Arbeit: Muse'Score-Entwickler Werner Schweer und sein Kompagnon Nicolas Froment diskutieren über erweiterte Möglichkeiten (27.5.2011, Flickr).

Bei der Arbeit: MuseScore-Entwickler Werner Schweer (links im Bild) und sein Kompagnon Nicolas Froment diskutieren über erweiterte Möglichkeiten (27.5.2011, Flickr).

Im wissenschaftlichen Bereich, wenn es etwa um die Untersuchung bestimmter Interreferenzen in einem musikalischen Satz oder Gesamtwerk geht, findet EDIROM Anwendung. Breit gefächert ist die Nutzbarkeit von Programmen wie MuseScore oder NoteEdit. MuseScore ist mit der neuesten Version von April 2017, 2.1.0, online verfügbar und wird bereits von einer fest verbundenen Community in Anspruch genommen. Der Entwickler Werner Schweer legte dem Notensatzprogramm einen WYSIWYG-Editor zu Grunde, mit dem aus Wiedergabe und Speicherung bereits verschiedene Dateiformate erzeugt werden können. Für jeden Nutzer ist etwas dabei, gleich, ob er über Windows, Linux oder macOS als Betriebssystem verfügt. Für Windows gibt es sogar eine portable Version.

Einblick in die Oberfläche des Notensatzprogramms MuseScore 2.0 für Linux (12.1.2016, free lic.)

Einblick in die Oberfläche des Notensatzprogramms MuseScore 2.0 für Linux (12.1.2016, free lic.)

Demgegenüber handelt es sich bei zwei anderen populären Programmen wie den älteren Finale und Sibelius nicht um OpenSource-Editoriale. Wer im elektronischen Bereich „sampelt“ oder komponiert ist mit einem Modularsynthesizer wie AlsaModularSynth gut beraten. Der Nutzer muss als Basis für seine Emulation allerdings das Audiosystem ALSA verwenden, das nur unter UNIX läuft. Für GNU/Linux-Anwender kommt NoteEdit in Betracht: Das Programm unterstützt polyphone Stimmsätze in unbegrenzter Zahl und Dauer. Zahlreiche Export- und Importfilter erlauben die Editierung von Formaten wie MUP, PMX MIDI oder LilyPond.

Beispiele für die Retardation bietet dieser mit dem Programm Finale erstellte Klaviersatz (28.1.2011, Mgclape, CC Liz.).

Beispiele für Stauchung und Retardation bietet dieser mit dem Programm Finale erstellte Klaviersatz (28.1.2011, Mgclape, CC Liz.).

Die Entwickler von NoteEdit, insbesondere sein Begründer Reinhard Katzmann, haben mit Canorus auch ein flexibles Notensatzprogramm gebastelt, das für diverse Betriebssysteme applikabel ist.  Um einen „Oldie“ sozusagen handelt es sich hingegen bei Finale, das schon seit 1989 existiert und seit November 2017 in Version 25.5 für Windows und mac vorliegt. Der Editor eignet sich auch für Filmmusikkomponisten, denn ein eigenes Fenster lässt sich synchron zur Notensatzerstellung mit dem jeweiligen Film nutzen. Eine „abgespeckte“ Finale-Variante ist PrintMusic, die gleichermaßen über HyperScribe verfügt, ein Tool, mit dem man das Spiel auf einem MIDI-Keyboard simultan direkt als Notation in der Partitur aufzeichnen kann.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.