Interview mit Kissing Clouds

„Ein ständiger Kampf gegen die Langeweile“

Kissing Clouds im Sommer (Kissing Clouds)

Kissing Clouds im Sommer (Kissing Clouds)

Wolle man stattdessen You als einen Ausbund an „Artpop“ deklarieren, könnte dies der Band – zumindest im Wortsinne – eventuell zu mehr Gelegenheiten verhelfen, ihre Eigenarten auch live vor Publikum zu präsentieren. Denn das heterogene Element ihrer Songs – die Band spricht von einem Mosaik – macht es den Bookern dieser Welt nicht gerade leicht, auf die Live-Qualitäten der Kissing Clouds zu vertrauen.

Die Frage, ob denn eventuell dezidiert als „Kunst“ deklarierte Veranstaltungen, Vernissagen etwa, infrage kämen, um Öffentlichkeit zu generieren, quittieren die versammelten Herren mit kollektivem Stirnrunzeln. „Nö“, befindet Manuel, „das könnte auch zu letztlich unerwünschten Dissonanzen zwischen dem jeweiligen Umfeld und der Band führen.“ Mit seiner Vermutung, in diesem Zusammenhang bereits einschlägige Erfahrungen gesammelt zu haben, läge der Redakteur richtig, schiebt Tom mit leichter Süffisanz hinterher.

Überhaupt nimmt die Band ihr Baby zwar durchaus sehr wichtig, doch das führe nicht dazu, dass man es mit zu hohen Erwartungen hinsichtlich seiner Resonanz überstrapaziere. „Wenn wir ad hoc größere Publikumskreise erschließen wollten, müssten wir halt ganz andere Musik zocken“, befindet Mo. Erschwerend käme – im Hinblick aufs Airplay – natürlich noch die Länge der Tracks hinzu. Doch Radio Edits zu erstellen, würde den feingliedrigen Konstruktionen ihrer Songs womöglich auch kaum gerecht, gibt Tom zu bedenken.

Kissing Clouds (Kissing Clouds)

Kissing Clouds (Kissing Clouds)

Nun könnte indes ein falscher Eindruck entstehen, denn als genuin sperrig erweist sich You dann doch wieder nicht. Es braucht halt nur seine Zeit, um dem kompositorischen Verlauf auf die Schliche zu kommen. Und somit die über weite Strecken ohnehin gegebene Geschmeidigkeit auch zu verinnerlichen, also: zu kapieren. „Als einen der spannendsten Aspekte unserer Musik erachten wir die oftmals ungesteuerte Entwicklung, die einzelne Parts immer wieder durchlaufen. Was dazu führt, dass die Songs ihren Charakter auch im Ganzen kontinuierlich wandeln“, meint Tom.

Dass man mit einer Album-Veröffentlichung jedoch eine Schaffens- und Entwicklungsphase fixiert habe, erachten die Kissing Clouds hingegen – und sicher nicht zuletzt – als eine willkommene Zäsur, um sich fortan wieder gänzlich neuem Material zu widmen. Kissing Clouds erweisen sich insofern auch als darin versiert, den allenthalben überkommenen Begriff des Spannenden zu rehabilitieren. Darauf lässt sich zum inzwischen anbrechenden Abend auch ein gemeinschaftliches Bierchen genießen.

Preowned:
youtube.com/watch?v=vvCy06JAfxc

kissingclouds.com
facebook.com/kissingcloudsmusic
kissingclouds.bandcamp.com

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