Mahdyar: "Seized" (Kowloon Records/H'ART)
Mahdyar: „Seized“ (Kowloon Records/H’ART)

Bereits 2009 verließ Mahdyar Aghajani seine iranische Heimat, – der Repressalien überdrüssig, die ihn seiner (künstlerischen) Freiheit immer umfassender beraubten, an der er sich zuvor (bereits im Teenager-Alter) als wichtigster Hip Hop Produzent Teherans (sowie anhand erster Achtungserfolge als Schöpfer von Film-Soundtracks im Ausland) erfreuen durfte. Seized (Kowloon Records/H’ART), sein erstes Full Length Release unter eigenem Namen überhaupt, verarbeitet Entwurzelung also nicht nur von ungefähr. Unter anderem mit mehr oder weniger sorgsam kaschierten Mitteln und Metriken persischer Musiktradition.

Dabei lässt sich eine Ahnung von dem, was Mahdyar mit Seized unternimmt, kurzerhand mittels einer Referenz zumindest andeuten: Wo Arca auf des Wahnsinns Spuren zu temporär gültigen Ergebnissen gelangt, verbleibt der nahöstliche Exilant auf der deskriptiven Ebene, in direkter Konfrontation mit einer post-industriell validen Endzeitstimmung. Seine stark modifizierten Rekurse auf das heimatlich Nachhallende bemühen also keineswegs nur eine Rekapitulation von geopolitisch-ethnisch-religiös determinierten Angelegenheiten.

Insofern muss Mahdyar bereits jetzt zu jenen Neo-Eklektikern gezählt werden, die ihre Beweggründe schnurstracks in die Gefilde der Nicht-Verortung transferieren. Mögen die Komponenten hin und wieder auch dechiffrierbar bleiben, erschöpft sich die Spurensuche im enthemmten Ideenwust schnell und gründlich. So mag Seized zwar auch von jener Freiheit künden, die Mahdyar meint. Dass sie ein Desiderat bleiben muss, um sich im Modus des Verzweifelns zu entfalten, bleibt indes indisputabel. Ferner kennzeichnen eine dräuende Strenge im Diktat sowie ein mulmiges Gefühl im Anschlag den vielgliedrig kanalisierten Bewusstseinsstrom eines noch längst nicht Angekommenen. Ein Potenzial, das in naher Zukunft nicht ungehört verhallen wird. Darüber hinaus wird man sehen.

mahdyar.com
facebook.com/MahdyarAghajani/

dense.de

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