Long Distance Calling, Gebäude 9, Köln

Im Sog der Präzision

Long Distance Calling (Stephan Wolf)

Long Distance Calling in Köln (Stephan Wolf)

Wenn eine zum Phänomen geratene Band live ihren Nimbus wahrt, bleiben Überraschungen aus. Sollte man meinen. Doch bei seinem Konzert im ausverkauften Gebäude 9 zu Köln entwickelt das – inzwischen wieder von Gesang befreit – aufspielende Quartett Long Distance Calling einen eigentümlichen Sog, der mit jedem dargebotenen Track auf geradezu heimtückische Weise vollends gefangen nimmt. Und zwar so dermaßen unwiderstehlich, dass man sich – auch angesichts einer stets gegebenen Überschaubarkeit der aufgewendeten Mittel – anschließend fragt, wie das möglich nur wieder möglich war.

Bass, „Lead-Gitarre“, „Rhythmus-Gitarre“, Drums – und fertig aus. Diese Beschränkung allein macht noch keinen Braten fett, zumal es vollkommen idiotisch wäre, behaupten zu wollen, dass Long Distance Calling für diese Besetzung eine Alleinstellung reklamieren könnten. Also muss weiter nach jenen Gründen fahndet werden, die letztlich einer Magie zuarbeiten, zu der die Westfalen in schlicht einzigartiger Manier befähigt sind.

Long Distance Calling in Köln (Stephan Wolf)

Long Distance Calling in Köln (Stephan Wolf)

Mit Ascending beginnt das Set schon mal erstaunlich solide und bodenständig, so als wollten die Herren den Titel dieses vor allem gut abgehangen anmutenden Stücks konterkarieren. Zugleich aber zeitigt die Präzision, mit der zu Werke gegangen wird, ihren sofortigen Effekt. Es lässt sich nicht eine Note ausfindig machen, die dazu überführt werden könnte, als überflüssiger Schnörkel Aufmerksamkeit zu erheischen. Die Konzentration auf das ohne Zuhilfenahme von Beiwerk Machbare, wird zum übergreifenden Thema für sämtliche Ereignisse des Abends.

Long Distance Calling in Köln (Stephan Wolf)

Long Distance Calling in Köln (Stephan Wolf)

Spätestens mit In The Clouds, einem Sahnestück des aktuellen Albums Boundless, zieht die Chose so richtig an. Die Band verschmilzt ineinander – und das Publikum amalgamiert mit ihr. Ein jeder Ton entfaltet die ihm zugewiesene Wirkung, das Klangbild bleibt dicht und transparent zugleich. An dieser Aufhebung von vermeintlichen Widersprüchen ist sicher nicht zuletzt Drummer Janosch Rathmer schuld, dessen Spiel heute im Geiste eines Jaki Liebezeit gestaltet zu sein scheint. Doch so souverän Long Distance Calling insgesamt agieren, ist davon auszugehen, dass sie diese Hochform locker konservieren können. Ohne auch sich nur für einen Moment in steriler Routine zu sonnen. Sie sollten auf Welttournee gehen.

Out There:
youtube.com/watch?v=3Dh5vUlQdl4

Heute Stuttgart (Club Cann) AUSVERKAUFT
08.03. München (Kranhalle) AUSVERKAUFT
09.03. A-Wien (B72)
11.03. Dresden (Beatpol)
12.03. Nürnberg (Club Stereo)

05.05. Moers (Vacuumfest)
08.09. Balve (German Kultrock Fest, Balver Höhle)

longdistancecalling.de
facebook.com/longdistancecalling

 

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