Sol Invictus - Necropolis

Und aus ist

Sol Invictus: "Necropolis" (Auerbach Records/ Prophecy Productions/ Soulfood)

Sol Invictus: „Necropolis“ (Auerbach Records/ Prophecy Productions/ Soulfood)

Wer auch immer in den vergangenen dreißig Jahren meinte, Bandchef Tony Wakeford einen sich aus musikalischer Beschränktheit nährenden Hang zur Selbstwiederholung attestieren zu müssen, wird angesichts von Necropolis (Auerbach Records/Prophecy Productions/Soulfood, ab 23. März) fortan und für immer die freche Klappe halten müssen. Denn Sol Invictus brechen auf ihrem geschätzt vierzigsten Album mit allen Schemata. Und somit auch mit der Hoffnung, dass sich alles noch zum Guten wenden könne.

Denn die Radikalität, mit der Tony Wakeford und sein Ensemble jeglicher Notzucht an der Euterpe ebenso die schwarze Karte zeigen, wie den sich am Schicksal Londons präzise abzeichnenden Zerfallserscheinungen, bietet zunächst einmal keinerlei Angriffsfläche. Zu ernst das Thema, zu gekonnt seine zeitliche Versetzung ins Vergangene. Wo Sol Invictus einst noch alte Götter beschworen, zerbrechen sie heute mutwillig an den einzig noch virilen Gottheiten: Kommerz, Kapital, Wachstum – Verderben.

Nein, Sol Invictus wollen (oder können) keinen hymnischen Protest mehr formulieren. Das rüde Eingeständnis, vielleicht etwas zu viel an Erkenntnis gewonnen zu haben, legt sich über Necropolis wie Blei in Lebensadern. Und so wird mehr dem Menschen an sich gerecht geworden, als seiner heidnisch-religiösen Verklärung. London ist überall. Syrien auch. Die Kapitulation der Gesellschaften vor ihrer eigen Hybris ist und bleibt Thema, wiewohl Tony Wakeford noch nie so viel Gift und Galle auszuteilen hatte, wie auf diesem Album, das – als womöglich Allerletztes seiner Art – eine Zentrifugalkraft zwischen Madrigal und Soundscape entwickelt, wie sie diese Welt eigentlich nicht verdient.

Tony Wakeford, Sol Invictus (Auerbach Records/Prophecy Productions)

Tony Wakeford, Sol Invictus (Auerbach Records/Prophecy Productions)

Wer etwa einen Brexit zulässt, braucht am Menschenverstand an sich auch weiterhin nicht zu verzweifeln. Wer indes zweifelt, – und das tut Tony Wakeford mit dem ihm eigenen Sarkasmus, braucht sich vor den Nachrichten von morgen nicht mehr zu fürchten. Denn er hat schon alles gesehen, alles gedeutet – und als eigene Grabbeigabe annonciert. Mit einem Lachen zwischen Hohn und Anerkennung.

Epitaph galore.

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