Interview mit Matthias Reim

„Ich bin ein Gratwanderer“

Matthias Reim (Sven Sindt)

Matthias Reim (Sven Sindt)

Mit Meteor (RCA/Sony Music) legt Matthias Reim zum 23. März sein 17. Album vor. Da muss nicht lange geredet, sondern nur kurz mal geredet werden. Denn es ist nun einmal nicht alltäglich, dass sich jemand zum wiederholten Male neu erfindet und dabei doch derselbe bleibt. Schon gar nicht in dem Metier, das Matthias Reim souverän bedient, ohne sein wahres Gesicht zu verstellen. Merke: Zwischen flottem Schlager, zügigem Electro-Pop und deftigem Rock passt immer noch – ein Reim!

amusio: „Hi Matthias, dein neues Album ist ja mal wieder sehr prägnant betitelt. Das hat bei dir ja schon Tradition. Aber während sich der Phoenix auf deiner vorherigen Scheibe noch gemeinhin klar erschließt, bedarf Meteor einer Erläuterung. Willst du sie uns gewähren?“

Matthias Reim: „Na klar! Nun, es ist immer verdammt schwer, das Baby zu taufen. Wir haben viel gegrübelt. Als ich dann den Song als Fortsetzung von Einsamer Stern geschrieben habe, schlug der Meteor sozusagen ein. Was wäre, wenn der Mensch, mit dem du in aller Freundschaft abgeschlossen hast, doch wieder in dein Leben tritt? Wenn die einst auf einen fernen Stern verbannte Person wieder in deine Atmosphäre gelangt? Und plötzlich vor dir steht. Da hast du keine Chance, da musst du sie willkommen heißen: Kawumm! Und alle Register gezogen. Und genau so habe ich den Meteor zum Titel meines neuen Albums erkoren. Aber eben nicht einfach nur gewählt. Er drängte sich förmlich auf. Als etwas, dass mich und dich erbeben lässt.“

amusio: „Einschlägt – und erbeben lässt…“

Matthias Reim: "Meteor" (RCA/Sony Music)

Matthias Reim: „Meteor“ (RCA/Sony Music)

Matthias Reim: „Das war der Plan. Und nun hoffe ich sehr, den entsprechenden Ton auch gut getroffen zu haben. Da wäre zum einen, dass man mir anmerkt, dass ich mir Mühe gegeben habe. Und zum anderen, dass ich diese Mühe nicht zum Selbstzweck aufbringe. Sondern weil ich mich gefragt habe, was mein Publikum wirklich von mir erwartet. Und ich somit auch von mir selbst.“

amusio: „Als da wäre?“

Matthias Reim: „Ich bin kein Trapezkünstler. Und ich habe weder Piratenschiffe noch Drachen auf der Bühne. Ich bin nur jemand, der kaum etwas anderes zu leisten imstande ist, als Songs zu schreiben und sie zu interpretieren. Also muss ich das, was ich vermag, auch am besten tun. Nur so kann ich meine Fans erreichen – und mutig in den Spiegel schauen.“

amusio: „Trotz deines Erfolges mit Phoenix hast du für Meteor die olle Sport-Weisheit untergraben: Never change a winning team. Warum?“

Matthias Reim: „Ich hatte das Gefühl, schon alles geschrieben zu haben. Ich wollte mich nicht selbst wiederholen. Also habe ich Musik gehört. Und mal geschaut, wer hinter dem, was mir so gefiel, eigentlich so steckt. Habe eine Auswahl getroffen – und angefragt. Daraus ist eine neue Autorenfreundschaft entstanden, wobei ich überrascht war, wie gut sich meine neuen Freunde in meine Vita und in dasjenige, wofür ich stehe, einfühlen konnten. Ihre Ideen machten den Weg frei. Ich wollte nicht an musikalischer Einsamkeit zugrunde gehen.“

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!