Gelebt, geliebt - doch nicht vergöttert

Gelebt, geliebt – doch nicht vergöttert

Blue October (Stephan Wolf)

Blue October (Stephan Wolf)

Wer dazu angehalten ist, am Tag nach einem Konzert von Blue October zur Tagesordnung überzugehen, hat es nicht leicht. Aber weniger schwer, als all die lieben Mitmenschen, die nicht dabei gewesen waren. Denn Justin Fursenfeld und seine leidenschaftlich präzise aufspielenden Gesellen entfachten – zum Ausklang ihres deutschen Tour-Beins zu Köln – ein wohliges Inferno aus überwundenen Wunden. Auch als der Nightliner zwei Stunden danach gen England aufbrach, blieb so manch Auge nicht trocken.

Vor allem die Novizen im Publikum staunen nicht schlecht. Und können sich nicht entscheiden, ob sie sich nun auf einem Konzert von U2 oder Peter Gabriel wähnen sollen. Wären sie eben nicht bei Blue October. Da hilft ein Zwicken ins Beinspeck, ab und an. Doch so sehr sich Blue October auf neuere – und somit auch „poppigere“ Songs – inzwischen eingependelt haben: Sowohl die einst eklektizistische und nunmehr einzigartige Mischung des Repertoires stimmt ebenso, wie die menschliche Ansprache des Frontmanns.

Justin Was Here (Stephan Wolf)

Justin Was Here (Stephan Wolf)

Dabei hält sich Justin Furstenfeld zunächst zurück. Allein seine Präsenz bedeutet Verbindlichkeit. Verständnis, Hingabe und Hoffnung. Erst nachdem das erste Drittel eines auch klangtechnisch hervorragenden Konzerts bereits verklungen ist, wendet er sich – theatral und persönlich zugleich – verbal direkt an sein Publikum. Als ob er das nicht die ganze Zeit nicht schon getan hätte!

Wem der erste Part des in Richtung Stadionrock tendierenden Sets noch zu gefällig schmeckt, wird im ausgedehnt gestalteten Zugabenteil kulinarisch verwöhnt. Denn genau in ihm zocken Blue October zwischen Americana, Postrock und Chanson eine glorreiche Überfrachtung, die für den Rest des Lebens begleitet. Auch so kann Liebe gelebt werden.

blueoctober.com
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