Interview mit Allen B. Konstanz (Oul)

„Ich bin nicht retro“

Oul: "Antipode" (Golden Church/Eigenvertrieb)

Oul: „Antipode“ (Golden Church/Eigenvertrieb)

Mit Antipode (Golden Church/Eigenvertrieb) hat der u. a. von The Vision Bleak und Ewigheim berühmt berüchtigte Allen B. Konstanz dieser Tage ein Album vorgelegt, das nahezu ausschließlich mit abgrundtief klar strukturierten Songs brilliert, die grob an einen dunkel-wavigen Sound gemahnen, der für rund ein Jahrzehnt eine Art Schattendasein fristete. Dass es ihm jedoch gelungen ist, dabei zugleich hochgradig eigenständige Klanglandschaften entstehen zu lassen, spricht nicht zuletzt für eine Klasse, die sich aus Erfahrung und Herzblut gleichermaßen speist. Um sich mit uns über Oul und Antipode zu unterhalten, unterbricht Allen B. Konstanz freundlicherweise die abendliche Probe mit The Vision Bleak – für das tags darauf im Château de l’Avouerie (Belgien) stattfindende Festival Haunting The Castle.

amusio: „Hi Allen. Dein Album strotzt geradezu vor eingängigen Songs, die – einmal vernommen – kaum noch aus dem Kopf herauszukriegen sind. Darf man dir in dieser Hinsicht eine klare Absicht unterstellen?“

Allen B. Konstanz: „Das muss man mir sogar. Die Tracks von Antipode sind so angelegt, dass sie den Hörer um den Schlaf bringen können. Und ich kann auch kein Gegengift empfehlen. Allerdings möchte ich betonen, dass ich diesen Effekt nicht um jeden Preis erzielen wollte. Ich habe nicht bewusst auf Ohrwürmer hin produziert. Sie sind einfach passiert.“

amusio: „Und nun kurierst du dich von dem Impact, den deine Songs als Oul wohl auch bei dir hinterlassen haben, wieder mit deinen anderen Tätigkeiten, etwa mit The Vision Bleak?“

Allen B. Konstanz: „Wenn ich das aufgreifen und mal so sagen darf: Mit Oul habe ich mich von The Vision Bleak kuriert (lacht). Es ging mir darum, einen Weg zu finden, um die in mir schlummernde Musik zu erwecken, indem ich sie möglichst einfach strukturiere. Und um herauszufinden, ob sich meine Ideen, die nicht in das Raster von The Vision Bleak oder Ewigheim passten, ihrer Realisierung letztlich auch würdig erweisen würden.“

amusio: „Das wird wohl niemand bezweifeln. Da du jedoch mit dem Gedanken an dieses Projekt schon längere Zeit schwanger gegangen bist, stellt sich die Frage, ob das Album Stück für Stück oder in einem Aufwasch entstanden ist…“

Allen B. Konstanz: „Den ersten Song für Oul, der es letztlich auf das Album geschafft hat, habe ich bereits 2009 geschrieben und weitgehend fertiggestellt: On Elephants. Doch dann dauerte es bis zum vergangenen Jahr, bis ich dazu imstande war, alle weiteren Tracks innerhalb von drei Monaten auszukomponieren, die Texte zu verfassen und die Scheibe im Studio zu vollenden.“

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