Brian Lopez in der Wohngemeinschaft, Köln

Durchreise statt Dauerlauf

Brain Lopez in der Wohngemeinschaft, Köln (Stephan Wolf)

Brain Lopez in der Wohngemeinschaft, Köln (Stephan Wolf)

Im Zuge seiner vornehmlich in französischen Gefilden stattfindenden Promo-Tour zu seinem aktuellen und unter streng spontan-spartanischen Vorgaben eingespielten Album Prelude (Dust And Stone Recordings) nimmt Brian Lopez aus Tuscon für einen Abend das lauschige Wohnzimmer der Kölner Wohngemeinschaft in Beschlag. Ein Glücksfall für die (viel zu) wenigen Anwesenden. Eine fesselnd bestrittene Stunde, die wohlig nachklingt.

Und doch rührt sich Unverständnis in die schöne Erinnerung. Warum ist es Brian Lopez bislang nicht gelungen, hierzulande jene Reputation zu erlangen, die ihm gebührt? An mangelndem Medien-Echo mag dies ebenso wenig liegen, wie an seinen weiteren Projekten (so zum Beispiel das Cumbia-Wüsten-Ensemble Xixa), so sie sein Schaffen unter eigenem Namen kaum in den Schatten zu stellen drohen.

Sei es drum, Brian Lopez bedankt sich artig bei seinem doppelten Dutzend Zuhörern und verweist auf das unwirtliche Wetter an einem Dienstagabend. Wobei er doch, als aus der Wüste stammend, den Regen an sich sehr zu schätzen wisse. Wie auch seinen Freund Andrew Collberg, der als in Köln gestrandeter Arizonianer nach mehreren Jahren der Bandtätigkeit für fünf Songs erstmals wieder solo die Bühne betritt. Und nicht verstehen kann, wie man die in der Lufthoheit seiner Wahlheimat ebenfalls heimisch gewordenen Alexandersittiche nicht mögen kann.

Brain Lopez in der Wohngemeinschaft, Köln (Stephan Wolf)

Brain Lopez in der Wohngemeinschaft, Köln (Stephan Wolf)

Brian Lopez vermutet zwar, dass sein Kollege zu viel vom psychedelisch wirksam angereicherten Trinkwasser der Domstadt genossen habe, verspricht jedoch, sich am nächsten Morgen beim Dauerlauf von der Existenz der Grünschnäbel zu überzeugen. Wenn er laufen gehen würde, was er indes sowieso nicht beabsichtigt.

Diese ausschweifende Schilderung einer kleinen Randbemerkung charakterisiert die locker-lakonische Stimmung, in die Brian Lopez die Kostproben seines Könnens einkleidet. Dabei belässt er es nicht beim Material von Prelude (man hätte die Gelegenheit wahrnehmen sollen und ihn fragen, was denn überhaupt präludiert werden soll): Nachdem etwa der Klang der Sechssaitigen zunächst nicht ganz seinen Vorstellungen entspricht, wird kurz nachjustiert. Und zum Check Bachs Bourrée intoniert.

Jenes „Scherzo-Intermezzo“ kommentiert Brian Lopez mit der Information, dass sein einst erlerntes Spiel der klassischen Gitarre nichts mehr tauge. Und doch mag seine Grundausbildung erklären, warum es ihm gelingt, seine heutige Gitarrenbehandlung mit vielen beiläufigen Finessen zu spicken, die seinen Songs auch in nominell reduzierter Form Fülle, Eleganz und das gewisse Etwas verleihen.

Brain Lopez in der Wohngemeinschaft, Köln (Stephan Wolf)

Brain Lopez in der Wohngemeinschaft, Köln (Stephan Wolf)

Für zwei Titel begibt sich Brian Lopez ans Hausklavier. Static Noise, ohnehin ein Signatur-Song seines bisherigen Schaffens, erweist sich auch hier als großer Wurf. Und dann setzt es ein kleines Quiz, doch niemand errät den Song oder dessen Original-Interpreten. Es handelt sich um Ricky Nelsons Lonesome Town – da fällt dann doch so manch Groschen.

Sich mit dem Liedgut des frühen Teenie-Stars zu beschäftigen, sei eine Folge der langweiligen Zugreisen, die er auf seiner Tour zu zeitigen habe. Wie gerne würde man ihn dabei fortan begleiten! Die Vorstellung, wie er mit seinem zart aufgerauten Falsett die Mitreisenden im Großraumwagens betört, will sich nunmehr nicht mehr löschen lassen. Eben weil Brian Lopez für besagte Stunde zumindest ein Wohnzimmer mit auf die Reise genommen hat. Endstation Sehnsucht.

Your Nomenclature:
youtube.com/watch?v=J-MTg49NiNY

Static Noise:
youtube.com/watch?v=5hhGKiHpKPY

facebook.com/BrianLopezMusic

 

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