Lea Porcelain im Kölner Blue Shell

Hypnose als Ritual

Markus Nikolaus, Lea Porcelain, Blue Shell, Köln (Stephan Wolf)

Markus Nikolaus, Lea Porcelain, Blue Shell, Köln (Stephan Wolf)

Das mit Lea Porcelain im Blue Shell verabredete Interview muss leider vertagt werden. Denn ein technisches Problem zehrt im Vorfeld des Kölner Gigs an den Nerven sämtlicher Beteiligter. Doch der Club-Crew gelingt die Lösung, das Publikum wartet geduldig: Vorfreude eben. Als mit halbstündiger Verspätung dann die ersten grollenden Sounds den Boden der proppenvollen Venue erbeben lassen und sich durch den reichlich aufgebotenen Kunstnebel schneiden, gibt es freilich kein Halten mehr.

Das aufpeitschende Element, von dem die ausnahmslos originell strukturierten Songs von Julien Bracht und Markus Nikolaus zehren, zeitigt sofort seine unwiderstehliche Sogwirkung. Allein schon der Druck, mit dem Lea Porcelain ihr Repertoire ausstatten, genügt, um sämtliche Poren zu weiten. Der von den Wogen eines vollkommen mobilisierten Publikums erzeugte Gegendruck erweist sich als einzig denkbare Erwiderung.

Lea Porcelain haben ihre zahlreichen Live-Erfahrungen nicht nur gesammelt. Sondern wissen inzwischen sehr genau, wie sie diese in eine verbindlich energetische Show überführen. Wirkten sie in ihren letztjährigen Anfangstagen auf der Bühne noch allzu beflissen, bloß nichts falsch zu machen, genießen sie nun ihr Verständnis dafür, wie es richtig geht. Es scheint, als begeistern sie sich für ihre eigene Präsenz. Und das nur zurecht.

Markus Nikolaus, Lea Porcelain, Blue Shell, Köln (Stephan Wolf)

Markus Nikolaus, Lea Porcelain, Blue Shell, Köln (Stephan Wolf)

Jeder Track ein Treffer, mal in die Magengruben, zumeist jedoch ins wunde Herz. Ob das jetzt noch als Postpunk oder schon eher als ein erst noch zu definierendes Meta-Genre zu klassifizieren ist, kann nicht nur dem (zumindest optisch) ohnehin heterogen kompilierten Auditorium schnuppe sein. Wenn Markus Nikolaus irgendwann auch noch mit offenem Feuer hantiert, hält er schlicht das entscheidende, das verbindende Element empor. Das Finale zieht die logische Konsequenz: Hypnose als Ritual. In nicht allzu ferner Zukunft auch als Massenphänomen denkbar.

Gotta Run:
youtube.com/watch?v=KyTl7BPwW0k

If Time Was On My Side:
youtube.com/watch?v=ePVkW-TQdIs

12.04. Frankfurt/Main (Zoom)
14.04. Berlin (Funkhaus)

leaporcelain.com
facebook.com/leaporcelainofficial

 

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