Wave Gotik Treffen XXVII - Perspektiven (3)

Interview mit Jo Quail

Jo Quail, Schauspielhaus, WGT 2015 (Stephan Wolf)

Jo Quail, Schauspielhaus, WGT 2015 (Stephan Wolf)

amusio: „Wirst du über den gesamten Zeitraum des WGT in Leipzig weilen?“

Jo Quail: „Zumindest werde ich so lange bleiben, wie es mein Terminkalender erlaubt. Schließlich will ich mir, abgesehen von der einzigartigen Stimmung des Festivals an sich, nicht die Gelegenheit entgehen lassen, tolle Bands zu entdecken, die ich zuvor noch nicht kannte.“

amusio: „Welche dir bereits bekannten Bands, Musiker oder Musikstile üben den größten Einfluss auf dein eigenes Schaffen aus?“

Jo Quail: „Das ist eine gewaltige Frage! Ich denke, dass vor allem jene Musiker ihre Spuren hinterlassen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Selbst wenn es sich dabei um vorab definierte Sessions handelte, bei denen ich vom Notenblatt zu spielen hatte. Arrangement, Mikrofonierung, Aufnahmetechnik – auch diese Aspekte gelangen dann in den Schmelztiegel meiner Erfahrungen.“

amusio: „Verrätst du uns ein konkretes Beispiel?“

Eraldo Bernocchi, FM Einheit & Jo Quail: "Rosebud" (Rarenoise Cargo)

Eraldo Bernocchi, FM Einheit & Jo Quail: „Rosebud“ (Rarenoise/Cargo)

Jo Quail: „Ganz besonders haben mir zuletzt die Aufnahmen mit Eraldo Bernocchi und FM Einheit zu deren innerhalb von zwei Tagen entstandenen Improv-Album Rosebud zugesagt. Die vollkommen unkonventionelle Art, wie das Material entstand und aufgenommen wurde, hat mich begeistert und inspiriert. Ich vermute, dass auf dem WGT der Einfluss von FM Einheit zuhören sein wird.“

amusio: „Und was inspiriert dich musikalisch seit jeher?“

Jo Quail: „Nun, es ist kein Geheimnis, dass ich ein großer Fan von Indie-Rockmusik bin. Insbesondere die C86-Generation hat es mir angetan. Und ich denke, dass deren Energie auch auch heute noch Eingang in meine Musik findet. Sei es offensichtlich oder versteckt.“

amusio:„Sämtliche Einflüsse verarbeitest du mit nur einem Instrument, dem Cello. Ihm wird ein besonders menschlicher Ausdruck nachgesagt, da seine Klangfrequenzen denen der menschlichen Stimme nahekomme. Was hältst du von dieser Ansicht?“

Jo Quail: „Dass sie stimmt. Das Cello ist sozusagen die Stimme des orchestralen Instrumentariums. Es verfügt über den größten Tonumfang und meiner Meinung nach auch über das flexibelste Timbre. Dabei belasse ich es ja nicht dabei, die Möglichkeiten eines rein akustischen Cellos auszunutzen. Sondern kombiniere sie mit den Optionen der elektronischen Manipulation, wodurch sich Klänge erzeugen lassen, die scheinbar nicht von dieser Welt stammen. Dabei achte ich jedoch darauf, dass diese Art der Klangerzeugung nicht zum Selbstzweck verkommt. Es sei denn, ein Stück verlangt danach, sämtliche Klangfarben möglichst dick aufzutragen. Aber letztendlich bleibe ich stets eine Cellistin.“

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