Wave Gotik Treffen XXVII - Perspektiven (3)

Interview mit Jo Quail

Jo Quail (Chris Pulvert)

Jo Quail (Chris Pulvert)

amusio: „Eine Cellistin, die mit Tonalität gerne expressiv experimentiert…“

Jo Quail: „Ja, das passt. Ich bin davon überzeugt, dass man mit Musik sehr vieles zur Sprache bringen kann, ohne auch nur ein einziges Wort zu verlieren. Aber das benötigt immer auch die Bereitschaft der Hörer, sich auf das musikalisch Dargebotene aktiv einzulassen. Die gedanklichen oder auch emotionalen Reisen mit mir gemeinsam anzugehen. Und sich die Erfahrung anzueignen. Dabei werden sie von mir nicht sofort mit Eindeutigkeiten belohnt. Tolle Refrains, packende Riffs oder sich einbrennende Textzeilen gibt es woanders in Hülle und Fülle. Ich hingegen versuche, allein über den Klang Ideen und Bilder zu vermitteln. Und zur Teilhabe zu verführen.“

amusio: „Empfindest du dich als Teil einer Szene? Etwa der Neo-Klassik?“

Jo Quail: „Nein. Ich lasse mich nicht eingrenzen. Ich spiele häufig auf Festivals zeitgenössisch-klassischer Musik. Und am nächsten Tag bei einer Post Metal-Veranstaltung. Ich bin nicht sicher, ob die Einteilung in Genres heutzutage überhaupt noch Sinn ergibt. Ich denke und hoffe, dass sich unsere Gesellschaft weiter von ihren eindeutig klassifizierbaren Stereotypien entfernt und sie zugunsten der Individualität auflösen wird. Diese Tendenz schlägt sich sicher auch in der Vielzahl von Musikschaffenden nieder, die heutzutage sämtliche vermeintlichen Genre-Grenzen ignorieren. Es ist eine sehr kraftvolle und aufregende Zeit, um kreativ zu sein. Und ich freue mich auf jede neue musikalische Erfahrung, die ich machen kann.“

amusio: „Was verbindet dich mit dem doch recht speziellen WGT-Publikum?“

Jo Quail: „Auf gar keinen Fall jenes längst überkommene Klischee von engstirnigen Schwarzkitteln, die in ihrer selbstgeschaffenen Nische verharren. Vielmehr die generelle Aufgeschlossenheit gegenüber Unbekanntem, die Bereitschaft zum Zuhören sowie ein hohes Maß an Loyalität. Nicht zuletzt die Begeisterungsfähigkeit. Und das Vermögen, diese Begeisterung uns Musiker auch spüren zu lassen. So habe ich auf dem WGT schon viele Freundschaften geschlossen. Erneut dort auftreten zu dürfen, ist mir eine große Ehre. Und eine noch größere Freude!“

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