Interview mit Surma

„Alles, was als alternativ bezeichnet wurde, weckte meine Neugier“

Surma, Stereo Wonderland, Köln (Stephan Wolf)

Surma, Stereo Wonderland, Köln (Stephan Wolf)

Débora Umbelino hat Angst. Behauptet sie zwar unverhohlen, doch so ganz will man ihr diese offensiv eingestandene Furcht vor einem Publikum, das sie als Surma für eine gute halbe Stunde im Kölner Stereo Wonderland betört, nicht abkaufen. So sie mit ihrer Nervosität kokettieren sollte, offenbart sich ein durch und durch liebenswert quirliges Naturell, mit dem sie nicht zuletzt ihrem Equipment, samt Bass und Gitarre, sowie ihrer Stimme jene eigenartigen Klänge und anmutigen Song-Konstruktionen entlockt, die auch ihr Debütalbum Antwerpen (Radicalis/Soulfood) zu einem außergewöhnlichen Erlebnis machen. Im Anschluss ihres Showcase-Gigs luden wir die 22-jährige Portugiesin zum Gespräch.

amusio: „Olá Surma, wie kommt eine junge Frau aus dem lusitanischen Provinzstädtchen Leiria dazu, einen Electronica-Sound zu kreieren, der sich sämtlichen Kategorien entzieht und dabei nichts von seiner Herkunft verrät?“

Surma: „In erster Linie ist mein Interesse an musikalischer Vielfalt und Andersartigkeit auf meinen Vater zurückzuführen, der von Country-Music über Jazz bis Experimentalmusik kaum etwas ausgelassen hat. Ich wurde also von klein auf mit jeder Menge unterschiedlicher Musik konfrontiert, wurde so offen für alles und blieb stets an Neuem interessiert. Spätestens mit zwölf oder dreizehn begann ich damit, auf eigene Faust Musik zu entdecken, die selbst mein Vater noch nicht kannte. Nahezu alles, was als alternativ bezeichnet wurde, weckte meine Neugier. So bin ich natürlich auch auf Gleichgesinnte gestoßen, habe Musiker kennengelernt. Und konnte irgendwann dem Wunsch nicht widerstehen, selbst Musik zu machen.“

amusio: „Und dies von Beginn an alleine?“

Surma: „Ich habe anfänglich versucht, mich in Bands einzubringen. Aber das hat für mich überhaupt nicht funktioniert. Dafür liebe ich es viel zu sehr, für mich selbst frei zu improvisieren, bis ich dabei auf etwas stoße, das mich fesselt und dies dann ganz nach Lust und Laune weiterverfolgen kann. Ich denke, daran wird sich auch nichts ändern. Vielleicht werde ich zukünftig mal die ein oder andere Kooperation eingehen, aber in einer Band zu spielen, wo jeder seine Ideen einbringen will, widerstrebt meiner Vorstellung von Kreativität.“

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