Locust Fudge - Oscillation

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Locust Fudge: "Oscillation" (Play Loud Productions/Alive)

Locust Fudge: „Oscillation“ (Play Loud Productions/Alive)

Schneider und Krite, das erstmals seit 1997 wieder als Lucust Fudge gemeinsam agierende Traumduo eines faktisch alternativ gedachten Rock-Formats, gibt sich mit Oscillation (Play Loud! Productions) die kaum noch erhoffte Ehre. Und lanciert gemeinsam mit dem Schlagzeuger Chikara Aoshima sowie hochkarätigen Gästen (u. a. J Mascis, Zappi Diermaier, Chris Brokaw) ein Album, das die guten alten Glitterhouse-Tage von Flush und Royal Flush in eine zeitlos anmutende Rechtfertigung von Gestaltung und Gehalt überträgt.

Fundamente voller trockener Steigleitungen, verrohte Drift im mehrdimensional geschichteten Verlauf, sinngemäß triftige Schlussfolgerungen: Oscillation hält mehr als der versiert gewählte Albumtitel verspricht. Ein frohlockend organisches Rütteln an den Grundfesten des einst festgeschrieben Verfahrens, melodisches Feingefühl mit Dreck zu strecken, nimmt Schwung – und setzt immer wieder zu Zwischenlandungen und Ehrenrunden an, bei denen auf Standzeiten freilich keine Rücksicht genommen wird. Die aber dennoch zur Entspannung des konzentrisch aufgefächerten Ganzen einladen: Einsteigen bitte!

Locust Fudge (Robert Geismar)

Locust Fudge (Robert Geismar)

Mit dem beeindruckenden Verzicht auf selbstreferentielle Nachweise von Theaterarbeit, Projektwerk und musikalisch ausdifferenzierter Vollbeschäftigung gelingt Locust Fudge eine distinguierte Verzahnung von Kunst und Können. Der Freiheitsbegriff wird schnell zur baren Münze, allein schon die furchtlos gestreuten Bläserklänge lassen unter tosendem Szenenapplaus die Klingelbeutel kreisen.

Dass sich auch 2018 noch an der Idee des Rocksongs libertinär-libidonös feilen lässt, bis die Saat sogar noch im Intellekt keimt, gehört zum Fundus jener Erkenntnisse, die Schneider, Krite und Freunde zwar noch zwinkernd im Rückspiegel betrachten, aber mit souveräner Selbstverständlichkeit längst verinnerlicht haben. Blaupausenbrot für entrahmte Zeiten, kein Abschluss im Sinn.

Relativity Check:
youtube.com/watch?v=g9Q0uDGprdA

19.04. Regensburg (Ostentor Kino)
20.04. CH-Zürich (Helsinkiclub)
22.04. Münster (Conny Kramer, Indie-Festival)

facebook.com/locustfudge

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