Moon Gangs: "Earth Loop" (Village Green Recordings)
Moon Gangs: „Earth Loop“ (Village Green Recordings)

Wenn elektrifiziert analoge Gerätschaften nach sich selbst klingen, konvertiert sogar das Fachpersonal zum Laientum. Weil die Grammatik der Schaltkreise nur Ausnahmen kennt, die Gebrauchsanleitungen höchstens dazu taugen, Ähnlichkeiten und Näherungswerte zu zitieren. Schnell misst sich dann das Amüsante mit dem Interessanten, das Staunen mit dem Achselzucken. Wie sich dieser Wettbewerb einvernehmlich und fair austragen lässt, zeigt sich exemplarisch an den neuen Alben von Moon Gangs, House Of Blondes und Nicolas Bernier. Um die Pflege obskurer Objektbeziehungen kümmert sich hingegen eine Kompilation aus Finnland.

William Young hat sich bislang einen Namen als Keyboarder bei der aus Bristol stammenden Postrock-Formation BEAK> erarbeitet. Mit Earth Loop (Village Green Recordings) zog es ihn gedanklich zurück zu seinen glorreichen Kindertagen, die er bevorzugt am Commodore 64 verzockte. Herausgekommen ist dabei jedoch keine fiepsende Onomatopoesie, sondern – unter Verwendung von rigoros verfremdeten Field Recordings – ein betont harmonisch ineinanderlaufendes Amalgam aus Tangerine Dream, John Carpenter, Kebu und – Blanck Mass (an dessen Score zu The Strange Colour Of Your Body’s Tears William Young beteiligt war).

Hierzu lässt sich von fernen Galaxien ebenso gut phantasieren wie vom (mindestens ebenso weit entfernten) Sommerurlaub an weiten Horizonten. Der Vintage-Sound zischt frisch durch die Gischt, wer sich hierbei gar zur psychedelischer Kehrwoche berufen fühlt, dürfte tief veranlagte Reizschwellen sein eigen nennen. Dennoch wähnt sich Moon Gangs gegenüber den Kalibern von Synthesizer Greatest Hits Volume 1 – 6 (Ed Starink) in Sicherheit. Prädikat: Einfach schön.

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