Acht Brücken Köln

Wolfgang Voigt präsentiert Gas in der Philharmonie

Wolfgang Voigt (Veronika Unland)

Wolfgang Voigt (Veronika Unland)

Das etwas unverbindlich gewählte Motto des diesjährigen Kölner Festivals für Neue Musik Acht Brücken (Metamorphosen – Variationen) erfährt dank der Einladung des mit der Domstadt eng verbundenen Pioniers des Minimal Techno – Wolfgang Voigt alias Gas – eine sachdienliche Konkretisierung im beibehaltenen Sinne des Diffusen. Am 9. Mai in der Philharmonie.

Wolfgang Voigt ist ein gefragter Mann. Doch selbst seine in zahlreichen Interviews oder Szene-Symposien gewährten Antworten können (oder wollen) das Mysterium der von ihm als Gas intonierten Sounds nicht grundlegend erhellen. Das komprimiert Dräuende seiner Modifizierung von mittelbar in wagnerianische Kodifikation mündenden Scapes, die als Dauerloop den distinkten Soundtrack zu einer bloß betrachtenden Entität abgeben könnten, eröffnen zwar auch analytische Spielräume, bleiben letztlich jedoch Ahnung.

Allein die Kombination der Begrifflichkeit (Gas) mit dem kaum Erfassbaren einer mentalitätsgeschichtlichen Grundierung löst angesichts des „interesselosen Wohlgefallens“ an Alben wie Königsforst, Necropop oder Rausch ein latentes Unbehagen aus, das sich jedoch dem direkten Zugriff immer und immer wieder souverän entzieht. Die Urbanität des Waldes erweist sich als kreisförmige Quadratur. Nur das Gewissen, wodurch auch immer es induziert wurde, überlebt. Wie das soeben vermeintlich gestorbene Wesen in Robert Musils Fliegenpapier. Oder so ähnlich. Irgendwas steckt da im Busch.

Wenn Wolfgang Voigt seine Klang gewordene Psycho-Prosa in der Kölner Philharmonie auch visuell umsetzen wird, dürfte dies nicht zuletzt für die Relevanz des gesamten Festivals nachhaltige Folgen zeitigen. Erweisen sich doch die Programmgestalter hiermit erneut als findige Vermittler zwischen musikalischen Welten, die im Kern nichts trennt.

wolfgang-voigt.com
achtbruecken.de

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