"Ida von Rosenau" und ihr Hintergrund

Ritterromantik

Die Schauplätze der „heroischen“ Oper Ida von Rosenau, uraufgeführt im Jahr 1820 im Schlosstheater des Ballhauses Coburg, liegen nur wenige Kilometer vom Zentrum der Stadt entfernt: Hier handelt es sich um Schloss Rosenau selbst, auf der zur Sommerfrische die Herzogsfamilie weilte und das auch Queen Victoria, vermählt mit Prinz Albert, später nach ihren Besuchen ungern wieder verlassen haben soll, und die Straße vor dem Wirtshaus zum „Blauen Helm“, das heute im Hotel Grosch weiterlebt.

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Die umfassende (Kammer-)Musiksammlung aus deutschen Residenzen aus dem Jahr 2016 enthält auch ein kostbares Nonett des Coburger Hofoboisten und -Komponisten Andreas Späth (B01KBGTGOI, Politur/Membran 2016).

Die umfassende (Kammer-)Musiksammlung aus deutschen Residenzen aus dem Jahr 2016 enthält auch ein kostbares Nonett des Coburger Hofoboisten und -Komponisten Andreas Späth (B01KBGTGOI, Politur/Membran 2016).

Zur Zeit der Entstehung von Stoff und Musik zur Oper hieß die anliegende Gemeinde Rödental, zu der das Schloss mit Park, Seeidylle und Europäischem Glasmuseum heute gehört, Oeslau, die Wirtin und der Schulz, also der Bürgermeister, treten sozusagen als Spiegelungen zeitgenössischer Personen auf; der Plot selbst ist nämlich im imaginären Mittelalter der Ritter in klirrender Rüstung und des höheren Adels in Gestalt der Burgfräulein angesiedelt. Solche Ambiente waren um 1820 bereits äußerst populär, das Erscheinungsbild der Gemeinde und Städte wurde nebst öffentlichen Veranstaltungen ganz auf „Altertum“ getrimmt.

Der idyllische "Englische Garten" unterhalb von Schloss Rosenau im Coburger Land sah um 1820 Turnier- und Ritterfestspiele, die der Herzog selbst inszenierte - und von den Steuern und der Arbeit seiner Untertanen finanzierte (Hanns-Peter Mederer, 1.5.2018).

Der idyllische „Englische Garten“ unterhalb von Schloss Rosenau im Coburger Land sah um 1820 Turnier- und Ritterfestspiele, die der Herzog selbst inszenierte – und von den Steuern und der Arbeit seiner Untertanen finanzierte (Hanns-Peter Mederer, 1.5.2018).

Allerdings eignet dem vom Porzellanmaler Johann Nicol König als Texter und dem Komponisten Andreas Späth geschaffenen Bühnendrama auch bereits die historistische Neigung zu einem gewissen soziographischen Realismus, insofern, als neben dem Adel gerade das Bürgertum und auch das schwer arbeitende Landvolk hier zu Wort und Stimme kommen. Das Wissen um die tatsächlichen Umstände in den „dunklen Jahrhunderten“ war freilich (noch mehr als heute) rudimentär und beruhte auf illusionären Vorstellungen. Herzog Ernst I. selbst trug allerdings viel zu einem positiveren Bild des Adels in der Gesellschaft außerhalb des Theaters bei, indem er das Bürgertum an den Festen partizipieren ließ, wofür sich die Wiese unterhalb des Schlosshügels gut eignete: Von ihm dort veranstaltete Spektakel mit fingierten Ritterturnieren gerieten so, wie Ulrich Göpfert hervorhebt, zu „wahren Volksfesten“.

Wie im herzoglichen Coburg häufiger praktiziert leistete im Falle der stofflich und motivisch von den Kreuzzügen (!) inspirierten Ida von Rosenau nicht etwa eine eigene Mannschaft die Opern(ur)aufführung; vielmehr wurde zum Zweck eine wandernde Schauspieler- und Sängergesellschaft unter der Ägide des Duos Saul und Liebl angeheuert.

Detail von der Ostseite des Schlosses Rosenau, das der Oper den seine Räumlichkeiten und ihren Namen gab (H.-P. Mederer, 1.5.2018)

Detail vom Ostflügel des Schlosses Rosenau, das der Oper des Duos Späth und König seine Räumlichkeiten lieh und ihren Namen gab (H.-P. Mederer, 1.5.2018)

Beim Opernkomponisten selbst handelte es sich übrigens um einen Künstler, der den Adelshof von innen kannte, denn er leistete seit längerem Dienste als Oboist in der herzoglichen Kapelle. Andreas Späth war ein emsiger Musiker, der sich im Tonsatz weiterbilden ließ, nachdem er in jungen Jahren schon zahlreiche Chorwerke geschrieben hatte, zog um einer Organistenstelle willen nach Morges in die französische Schweiz um und wurde nach seiner Rückkehr 1838 an den Coburger Hof mit mehreren Ämtern ausgestattet: Er fungierte von da an nicht nur als Konzertmeister und Hoforganist, sondern versah auch den Musikunterricht am Lehrerseminar. Eine Vielzahl von Festkantaten und weiterer öffentlicher Gebrauchsmusik, die seinerzeit sehr gefragt war, rundet sein Werk ab.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.