(new-waves-day.com)
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Die Altgedienten vor, auf dass die Szene nicht zur Ruhe kommt! Kaum schließt das Wave Gotik Treffen zu Leipzig seine Anlaufstellen für geschmackssicher Verfasste, ruft die Turbinenhalle zu Oberhausen zum Appell. Mit einem Angebot, dass schon seit seiner Bekanntgabe das Schnalzen lehrt. Dennoch ergeht – man weiß ja nie, wozu es gut ist – auch auf dieser Welle eine herzliche Empfehlung. Nur für den Fall, dass es tatsächlich noch Unentschlossene geben sollte.

Doch wo beginnen? Vom gelisteten Unten nach oben? Oder dramaturgisch ausgefuchst andersherum? Gut. Denn die Fields Of The Nephilim machen es aufgrund ihrer in den letzten Jahren zurückgewonnenen Bühnen-Bewandheit leicht, höchste Töne anzustimmen. Längst ist das zwischenzeitliche Schwächeln des leibhaftigen Dawnrazor alias Carl McCoy dem Glauben an die eigene Relevanz gewichen. Und somit jeglicher Headliner-Status eine wohlverdiente Selbstverständlichkeit.

Etwas weniger selbstredend erscheint dagegen die Verpflichtung von The Damned, die streng genommen erst auf ihre „alten“ Tage im Rahmen des Festivals Sinn ergeben. Doch Evil Spirits, das erste Album der Punk-Ikonen nach zehnjähriger Enthaltsamkeit, unterstreicht die Passung auf vorzügliche Weise. Dabei muss noch nicht einmal am Nimbus einer Band gerüttelt werden, die sich schon seit über vierzig Jahren ihrer Sonderstellung versichert sein kann. Die goldene Ära von The Damned, sie scheint Generationen zu überdauern. Und die Turbinen ziehen weiterhin an. Unbeirrt.

Das ließe sich auch von Mark Burgess und seinem Retro-Ensemble Chameleons Vox behaupten. Erläge man nicht umständehalber einer latenten Übersättigung. Die sich jedoch unmöglich zu Überdruss verformen kann. Denn wenn mit der gewohnt schweißtreibenden Verve die sich auf ewige Gültigkeit geeichten Klassiker (…) erklingen, begreift man ein ums andere Mal, dass The Chameleons Alben geschaffen haben, deren kompositorisch-atmosphärische Dichte vermutlich unerreicht bleiben wird. Was niemanden in den Fußstapfen der Band aus Manchester zu beschämen braucht: Mark Burgess weiß ja wohl selbst nur zu gut, dass er sich nicht mehr übertreffen kann.

Ähnlich verhält es sich mit den Young Gods, deren Gitarren-Samples 1987 auf ihrem dereinst vielfach sprachlos machenden Debütalbum derart signifikant Unerhörtes zum Fraß vorwarfen, dass spätere Lebenszeichen trotz ihrer durchgängig hohen Abstaktionsqualität vielfach lediglich achselzuckende Begeisterung hervorrufen konnten. Man darf gespannt sein, ob und inwiefern die Franko-Helveter um Sänger Franz Treichler mit ihrem aktuellen Programm an der zu huldigenden Historie anknüpfen. Sollten die jungen Götter – in Anlehnung an das 2006 erschienene Nebenprojekt trontin-jones – Simon Huw Jones (And Also The Trees) mitbringen, ach – keine Abschweifungen bitte.

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