Zeus schlägt drein - in Oper und Symphonie

Fulgura frango

Der Blitzeschleuderer Zeus begegnet uns bildhaft dargestellt in Mozarts Symphonie C-Dur KV 41 „mit der Schlussfuge“ erst durch Muzio Clementis Klavierbearbeitung aus dem Jahr 1822. In der Erstausgabe thront er tatsächlich, Donner und Blitz haltend, auf einer Wolke. Die Zuschreibung beruht auf einer Legende (da nur als Tagebucheintrag erwähnt), nach der Mozarts Sohn die Bezeichnung „Jupiter“ von dem Konzertimpresario Johann Peter Salomon gehört habe; stimmt dies, könnte damit tatsächlich auf ihre quasi göttliche Perfektion angespielt worden sein; zuerst taucht der Name jedenfalls 1821 im Programm des Musikfestivals von Edinburgh auf.

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Zeus schleudert Blitze gegen das Ungeheuer Typhon (chalkidikische Vase, Staatliche Antikensammlungen München, Inv.-Nr. 596, p.d.).

Zeus schleudert Blitze gegen das Ungeheuer Typhon (chalkidikische Vase, Staatliche Antikensammlungen München, Inv.-Nr. 596, p.d.).

Da der Name des Befehlsgewalt und Rechtsprechung verkörpernden Göttervaters in aller Regel in mythologischen Zusammenhängen auftaucht, ist man geneigt zu glauben, dass seine musikalische Repräsentation – jenseits des antiken Anrufungshymnus – als Angst und Aufsehen erregender Krachmacher vor allem barocke Opernkomponisten beschäftigte. Rollender Donner ebenso wie zuckender Blitz ließ sich durch Paukenwirbel und schwingendes Blech schon auf der Bühne Ludwig XIV. prächtig imitieren, Zeus‘ Stimme durch einen in tiefe Register hinabdröhnenden Bass. War in Aischylos‘ Eumeniden Athene „dea ex machina“, so grollt in Jean-Baptiste Lullys 1673 uraufgeführter Oper Cadmus et Hermione Zeus und schlägt gewitternd drein, um die Auflösung des dramatischen „Knotens“ von Philippe Quinaults Libretto zu motivieren.

Im dritten Teil von Rossano Galantes symphonischer Dichtung 'Lexicon of the Gods' geht es um Zeus, hier mit Adler, als Blitzeschleuderer (HAFABRA Music, ASIN: B0199AF3U8, 2015).

Im dritten Teil von Rossano Galantes symphonischer Dichtung ‚Lexicon of the Gods‘ geht es um Zeus, hier mit Adler, als Blitzeschleuderer (HAFABRA Music, ASIN: B0199AF3U8, 2015).

Wir überspringen nach einem kurzen Blick auf Gustav Holsts vierten Satz seiner symphonischen Dichtung The Planets, in der Jupiter ganz gegenteilig als Überbringer von Freude symbolisiert erscheint, drei Jahrhunderte: Zeus god of sky and thunder bildet den dritten Teil des symphonischen Zyklus Lexicon of the Gods (2015) von Rossano Galante, 1967 geborener US-amerikanischer Trompeter, Komponist und Orchestrator, der sich (weiterhin) gerne transzendentaler illustrativer Stoffe annimmt. Das Ad Hoc Wind Orchestra setzte als eine der ersten Formationen die gewollt bombastisch organisierte Ouvertüre inklusive scheppernden Schlagwerks in ein akustisches Feuerwerk um, in der Zeus explizit als über alle gebietender Blitzewerfer dargestellt wird.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.