Mia Vita Violenta - Grey Seas

Zut alors!

Mia Vita Violenta: "Grey Seas" (Atypeek Music)

Mia Vita Violenta: „Grey Seas“ (Atypeek Music)

Aus Paris (Texas) beglücken Mia Vita Violenta mit einem Kehlen zuschnürenden Mix aus Grunge-Lotterbett, Post HC-Tristesse sowie insgesamt erfrischend ungesättigten Postrock-Versatzstücken. Dabei trifft das Quartett die Stimmung des gleichnamigen Romans von P.P. Pasolini, zumal sich Lebenshunger und Verdruss in einem Modus aufmüpfiger Verzweiflung gehörig die Waage halten. Was bei manch ähnlich Combo noch als Kollateralschaden verbucht worden wäre, erheben die Franzosen zur ansehnlich großen Kunst.

Scheuklappen als Identitätswahrung – wie könnte das ausgesprochen subtil angebotene Artwork sonst noch verstanden werden? Natürlich auch völlig anders, wie Grey Seas (Atypeek Music) mit jeder offenbar sehr luzide gesetzten Note unterstreicht. Die Infragestellung des längst Internalisierten sowie damit einhergehende Lust an der Zerrüttung von scheinbaren Gewissheiten – Mia Vita Violenta gehören zum Fach.

Die französischen Die Nerven?! Oder doch eher das Resultat des Klopfens auf Schweinehälften, – wie einst Scott Walker – allerdings in veganer Variante? Assoziationen ohne Ende, Ratlosigkeit im Schach.

Beeindruckend fürwahr. Jedoch ohne das entsprechende Wollen an der kurzen Leine zu führen. Selbst wenn auf die einschmeichelnde Entrücktheit des Titeltracks widerborstige No Wave-Anwandlungen (Bipola) den Flow nichten – der Name verrät es ja schon. Tja, und dann wird flugs zum schlüssigsten Part der als EP angepriesenen Scheibe übergeleitet. Ein Doppelalbum wäre angesichts dessen auch nicht auszuhalten gewesen! Ob nun Instinkt oder Bildung bei Grey Seas Pate gestanden haben, mögen Analytiker entscheiden, auf die Mia Vita Violenta mit Sicherheit nicht gewartet haben. Bleibt tapfer und ergebt euch.

Grey Seas (Album Live-Teaser):
youtube.com/watch?v=iZipsNYlUUw

facebook.com/mvviolenta

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