Ben Bertrand - NGC 1999

Spannweite statt Barrieren

Ben Bertrand: "NGC 1999" (Les Albums Claus)

Ben Bertrand: „NGC 1999“ (Les Albums Claus)

Manchmal möchte man angesichts der ergreifend-erfüllenden Schönheit eines Albums in andächtiger Schweigsamkeit verharren. Doch das nutzt ja nichts. Mit NGC 1999 (Les Albums Claus) legt der belgische Bassklarinettist – und auch elektronisch versierte Komponist – Ben Bertrand ein Album vor, dessen repetitive Figuren anhand dezenter Überformungen eine Grammatik insinuieren, von deren Plausibilität gesprochene Idiome sich gerne eine gehörige Scheibe abschneiden könnten.

Steve Reich, Terry Riley sowie der Landsmann Wim Mertens bieten sich an, um das bescheiden aufgetragene Gesellenstück des Ben Bertrand halbwegs einfühlsam zu lokalisieren. Dabei gelingt ihm das Kunststück, minimal zu arrangieren und dennoch den Eindruck von Versatilität zu erwecken. Sogar in ihrer Simplizität nahezu infantil anmutende Themen (V380 Orionis) offenbaren durch die geschickte Integration von raumgreifenden Versatzstücken des sphärischen Fuhrparks eine subliminal valide Spannweite.

Und doch erweist sich die Schlichtheit der sich behutsam entfaltenden Harmonien als der gemeinhin überzeugendste Faktor eines Albums, mit dem Ben Bertrand ein Neuland betritt, von dessen Existenz vermutlich wieder nur ein Kreis ohnehn Eingeweihter erfahren wird. Oder? Nun, im Kontext neu-klassischer Merkantibilität sei mit dieser ausgesprochenen Empfehlung zumindest die Hoffnung verbunden, dass sich ein Forum finden lässt, welches der friedfertigen Anmutung des Albums gerecht wird. Die Voraussetzungen für ein barrierefreies Verständnis hat Ben Bertrand längst geschaffen.

V380 Orionis:
youtube.com/watch?v=B3Ynz3wrhFQ

facebook.com/ben.bertrand.161

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