Mary Lattimore - Hundreds Of Days

Prägnanz vs. Attraktivität?

Mary Lattimore: "Hundreds Of Days"

Mary Lattimore: „Hundreds Of Days“

Die gängigen Assoziationen, welche vom Harfenklang ausgelöst werden, erfahren auf Hundreds Of Days (Ghostly International) kaum Bedienung. Und das obwohl Mary Lattimore in ihren Liner-Notes versichert, sich auf ihrem Album der Nostalgie zu widmen. Ungegenständlich „verträumter“ Sphärenklang oder der oftmals mit ihm einhergehende, süßsauer servierte Kitsch bleiben aus. Denn die Kalifornierin scheint sich der Zwiespältigkeit selbst der schönsten Erinnerungen durchaus bewusst. Und gewährt ihr und ihnen – in Form von Verfremdungen vielfach diffuser Anmutung – ihren unweigerlichen Lauf.

Die Konnektivität von Instrument und Psyche erweist sich auf Hudreds Of Days als schlüssig, doch das lyrische Element bleibt vage. Dem Anschein nach nähert sich Mary Lattimore ihren höchst persönlichen Sujets, nur um sie anschließend erneut zu verschleiern. Sie lässt sich einfach nicht auf eindeutige Evokationen des Gewesenen festnageln.

So erweist sich das Album als deutlich fordernder, als dies sein Mindset noch zu Beginn (It Feels Like Floating) suggeriert. Denn bereits mit Never Saw Him Again bestellt Mary Lattimore ein arides Feld, dessen Strukturen ins Ungewisse führen. So fortan auch die klanglichen Dimensionen an Kontur und Prägnanz einbüßen, reichern sie einen Ausdruck an, der sich dem direkten Zugriff immer wieder entzieht. Ein Verfahren, das Hundreds Of Days seine eigentümliche und letztlich auch wesentliche Attraktivität verleiht.

Never Saw Him Again:
youtube.com/watch?v=RVmAQu-PZTM

marylattimore.net
facebook.com/harpistmarylattimore

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