Nadia Struiwigh - WHRRu

Ziellos weiter zurück

Nadia Struiwigh: „WHRRu“ (Denovali/Soulfood)

Von autobiografisch introspektiver Versenkung beseelt, überwindet die Rotterdamer Elektronikerin Nadia Struiwigh – wie schon auf ihrem ersten Album Lenticular – die Kluft zwischen akademischer Unterkühlung und empfindsamer Berauschung. Da sie auf WHRRu („Where Are You“, Denovali/Soulfood) zudem gehobenen Wert auf eine filmische Dimensionierung legt, ergeben sich ungeahnte Höhen und Tiefen, die auf vorzügliche Weise emotionale Gefilde abstecken, deren retrospektive Couleur die Trennschärfe zwischen dem Gewesenen und seiner Deutung kontinuierlich verwischt.

Wer hier nun etwa von „Post-IDM für den Ohrensessel“ schwadroniert, mag dies sicher nicht in pejorativer Absicht tun. Erweist sich Nadia Struiwigh doch als eine sich den eigenen Sound-Vorstellungen spürbar behutsam nährende Künstlerin, die im Ergebnis eine Präzision des Ausdrucks erlangt, die trotz aller Subjektivität auf temperamentvoll erregende Weise nachvollziehbar und verbindlich bleibt.

WHRRu entführt den Hörer auf eine traumhaft sentimentale Reise, die sich bevorzugt im abgedunkelten Abteil eines Halbschlafwagens erleben lässt. Und je öfter man sich auf diesen Trip einlässt, desto mehr lässt der Wunsch nach, irgendwann auch mal anzukommen. Ein Ziel zu erreichen. Um dann mit diesem Album abschließen zu können. Nein, lieber nicht.

Bizarph:
youtube.com/watch?v=dg7v3OBwSKE

facebook.com/NadiaStruiwigh

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