Anne-James Chaton & Andy Moor - Tout ce que je sais

Vom Vortrag zum Drama

Anne-James Chaton & Andy Moor: „Tout ce que je sais“ (Unsounds)

Als erste Fortsetzung der gemeinsam mit Thurston Moore per Heretics ins Leben gerufenen Werkreihe im Andenken an alte und neuere Meister der schöpferischen Transgression – von Carravaggio bis William Burroughs – haben der Pariser Autor Anne-James Chaton und sein Kompagnon Andy Moor (Gitarrist, The Ex) mit Tout ce que je sais (Unsounds) eine letztjährige Live-Performance der Konserve überführt. Aufgrund der gegebenen Fokussierung auf den textlichen Vortrag, die dem Charakter einer musikalisch unterfütterten Lesung entsprechen, sind fundierte Kenntnisse des französischen Idioms letztlich unabdingbar, so die aufbereiteten Häresien vollumfänglich nachvollziehen zu können.

Ein Textblatt wäre da hilfreich gewesen, wiewohl sich der Vortrag des Anne-James Chaton durch Klarheit und ein moderates Tempo auszeichnet. Dennoch wäre es unangemessen, wollte man anhand Tout ce que je sais lediglich seine passiv vorhandene Sprachkompetenz reaktivieren. Denn spätestens bei Track 3, Le songe de Ludwig, nimmt die zunächst eher beiläufig eingepasste Gitarre ihrerseits lyrische Fahrt auf, um sich fortan auch in dramatischer Funktion einzubringen.

Immersive Kraft bezieht das Album nicht zuletzt aufgrund seines Live-Settings. Wenn sich bei dem abschließenden The Things That Belong To William der apostrophierte Radikal-Erneuerer Burroughs anhand eines verlangsamten Sprachsamples selbst zu Wort meldet, gelingt tatsächlich eine akustische Überschreitung des räumlich-zeitlich Kontinuums. Die Overdubs entstehen dann wie von selbst. Also fordert Tout ce que je sais zur wiederholten Auseinandersetzung auf. Und dabei nicht zuletzt mit seiner auch als dialogisch zu interpretierenden Form.

Casino Rabelaisien:
youtube.com/watch?v=eY3uo-aUJn4

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