Christopher Chaplin - Paradise Lost

Trotz Vorlage kein Vorurteil

Christopher Chaplin: „Paradise Lost“ (Fabrique Records)

Mit Je suis le Ténébreux übertrug Christopher James Chaplin in kongenialer Weise das gleichnamige Poem von Gérard de Nerval (sowie das Epitaph zum „Rätsel von Bologna“) in seine musikalisch breit gefasste Interpretation und Überformung. Auf Paradise Lost (Fabrique Records) hat er sich einem weitaus umfangreicheren (und ungleich populäreren) Werk der Dichtkunst gewidmet.

Der kaum fasslichen Fülle der literarischen Vorlage John Miltons erweist sich der Londoner Komponist als gewachsen und ebenbürtig, indem er unzählige Motive anreißt und wieder verschwimmen lässt. Und die Ph(r)asen der Konkretisierung den Stimmen des Tenors Nathan Vale sowie des Allroundtalents Leslie Winer überlässt, das ein eigenes Libretto (Dave The Shoe) intoniert.

Dem bislang überwiegend an der Seite von Hans Joachim Roedelius live aufgetretene Autodidakten Chaplin (jüngster Spross von deren acht aus der Ehe seines Vaters mit Oona O’Neill) gelingt es, trotz sämtlicher unwahrscheinlichen Wendungen, schleichend distinktiven Zerfaserungen und eine selten ans mittelbar Schlüssige appellierende Fasson, einen ganzheitlich effektiven Sinnestaumel zu strukturieren, der sich erst bei den elegischen Elementen des Schlussteils Of This New World als eindeutiger Reflex auf seinen Ausgangspunkt zu erkennen gibt.

Die gestalterische Freiheit, derer sich der Interpret bedient, bleibt dennoch der uneingeschränkte Fixpunkt seiner Unternehmung, die sich wiederum auch gegenüber den klassifikatorischen Gepflogenheiten der Neuen Musik als immun erweist. Vorurteilsfreie Musik.

Paradise Lost Album Teaser:
youtube.com/watch?v=8D7hSRdcSlY

christopherjchaplin.com
facebook.com/ChristopherJamesChaplin

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