David Sylvian & Holger Czukay - Plight & Premunition / Flux & Mutability

Spüren genügt

David Sylvian & Holger Czukay: „Plight & Premunition / Flux & Mutability“ (Grönland/RTD)

Laut eigener Aussage bevorzugt David Sylvian das erste von den beiden gemeinsam mit Holger Czukay in dessen Studio zu Weilerswist entstandenen Alben, Plight & Premunition. Es gehöre zu den wenigen Werken, die er auch heute noch als Hörer objektiv genießen könne. Dass es nun zusammen mit dem vergleichsweise konventionell gestalteten Flux & Mutability als Doppel-Vinyl (Grönland/RTD) wiederveröffentlicht wird, unterstreicht indes den zeitlosen Stellenwert beider Produktionen.

Nichts war geplant, alles geschah – im Winter 1986. Dass die Anfahrt vom Köln-Bonner-Flughafen (der Brian Eno zu Music For Airports inspirierte) durch die triste „Anselm Kiefer-Landschaft“ des rheinischen Vorgebirges ihre Spuren hinterlassen habe, bleibt auch dreißig Jahre später nachvollziehbar. In den beiden folgenden Nächten sollte allein das Prozessuale festgehalten werden, im weiterhin Unbestimmten zwischen orchestralen Samples, Loops und gelegentlichen Piano-Improvisationen. Einzig die Hinzunahme von Funksignalen und Radiostimmen suggeriert einen zeitlichen Kontext, der die aleatorische Schwebe aus Trancezustand und Momentaufnahme zusätzlich auflädt, ohne sie zu indoktrinieren.

Flux & Mutability entstand hingegen unter anderen Voraussetzungen, mit Vorsatz, Fokus und neu erworbener Studio-Technik. Sowie mit Jaki Liebezeit, Michael Karoli und Marcus Stockhausen (am Flügelhorn). Beim Wiederhören wird sofort deutlich, dass es der jeweiligen Entstehungsgeschichte nicht bedarf, um den Unterschied zu Plight & Premunition zu spüren. Und somit auch, warum der Ästhet Sylvian eine klare Präferenz hegt. Nur bedauerlich, nicht mehr bei Holger Czukay nachfragen zu können.

Plight (The Spiralling Of Winter Ghosts):
youtube.com/watch?v=KUkugKK2N7Y

davidsylvian.com
facebook.com/DavidSylvianOfficial

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