Meisterwerke der polnischen Musik XXXVII

Generation Glissando

Etwa seit dem Jahr 2000 macht in Polen eine neue Komponistengeneration von sich reden, die sich durch eine neue weltbürgerliche Haltung und sehr differenzierte ästhetische Ansätze auszeichnet. In Sachen Musikgeschichtsschreibung ist zwar im Land östlich der Oder das meiste noch durch Edition und Forschung aufzuarbeiten, doch haben die praktischen Bemühungen um neue Kunstrichtungen enorm zugenommen. Davon zeugt eben jene Zeitschrift Glissando, die 2004 von Studenten des Warschauer musikwissenschaftlichen Instituts begründet wurde und rasch zum Forum der neuesten Musik wurde.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Nach einer erst im 20. Jahrhundert in der Neuen Musik etablierten Spieltechnik benannte sich ein 2004 ins Leben gerufenes Warschauer musikwissenschaftliches Magazin (Brian Ammon, CC-Liz.).

Dabei sind die Interessenslagen dieser jüngeren Generation denkbar pluralistisch und reichen von (bildender) Kunst, Philosophie oder Alter Musik bis hin zur Psychologie und zu den Naturwissenschaften. Das Schaffen neuer Klangwelten steht bei allen Ausrichtungen und Neuorientierungen im Vordergrund, was von den ständig um Neues bereicherten progressiven Werken etwa der Tonkünstler/innen Andrzej Kwieciński (*1984), Jagoda Szmytka (*1982), Wojtek Blecharz (*1981), Paweł Hendrich (*1979), Agata Zubel (*1978), Marcin Stańczyk (*1977) und Sławomir Wojciechowski (*1971) belegt wird.

Auf dem Kwadrofonik-Festival am 16. September 2009, das Werke und Ausführende neuester polnischer Musik vorstellte (Henryk Kotowski, CC-Liz.)

Eine Besonderheit an der polnischen Entwicklung ist wohl, dass mit der Durchsetzung einer neuen Generation auch viele dauerhaft wiederholte Festivals wie Kwadrofonik oder Instalakcje, Konzertreihen und Initiativen aufkamen, die zu einem guten Teil vom Komponistenverband „Warschauer Herbst“ sowie von staatlicher Seite durch eine Art Stipendiensystem gefördert werden. Kwadrofonik erhielt erst 2014 den begehrten Kulturpreis des politischen Wochenmagazins Polityka. Das vielfältige und weiterhin aktive Feuerwerk des Millenniumswechsels sorgte darüber hinaus für das Entstehen etlicher Ensembles, die sich Neuer Musik widmen, beispielsweise die in Danzig und Warschau beheimatete Formation Kwartludium,  das Danziger NeoQuartet und das Posener Sepia Ensemble.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.