Árstíðir - Nivalis

Distanzlos immanent

Árstíðir: „Nivalis“ (Season Of Mist/Soulfood)

Heimtückisch! Gibt man sich auf dem Nachfolger zum an sich makellosen „Hvel“ zunächst betont sanft, und dabei manchmal sogar in den schweren Wässern von, öhm, Barclay James Harvest schippernd, bricht allerspätestens mit dem von einer eindeutig formulierten Cello-Figur dominierten Offenbarungseid (In The Wake Of You) das tragische Element von Nivalis (Season Of Mist/Soulfood) durch.

Das sich zuvor ausgiebig in subtiler Zurückhaltung übende Zeihen von Aufregung oder generalisierter Frustration gerät zu einer zuvor kaum vernommenen Klage. Auch wenn die ästhetisch unterstellte Distanz stets gewahrt bleiben will: Diese Musik wäre ohne ihr immanent schmerzhaftes Stechen in den Abgründen sämtlicher Stare kaum nachvollziehbar.

Selbst der an sich gern genommene Verweis auf die eventuell adaptierte Tradition von Simon & Garfunkel erliegt einer Brüchigkeit, mit der die Isländer erneut mit jenen Konventionen brechen, die allzu lieb gewonnene Klischees anfüttern. Das in Landessprache verfasste Thar Sem Enginn Fer gibt der vorgeblichen Milde den Rest. Also mal wieder eine Scheibe, die sich das Erdenrund erst noch zu verdienen hat: Erlösung auf der Kippe, Fronleichnam auf der Zunge, zergehend.

While This Way:
youtube.com/watch?v=VrBOVW9vKqg

arstidir.com
facebook.com/arstidir

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!