Töne aus den Staaten: New York ... und andernorts

McCarthys Schatten

Neben Schriftstellern wie Howard Fast, Arthur Miller, Thomas Mann oder Orson Welles hatten in der von Verschwörungstheorien geprägten, dezidiert antikommunistischen McCarthy-Ära auch Komponisten zu leiden. Erinnert sei hier nur an mittelbar oder unmittelbar betroffene Prominente wie Aaron Copland, Elmer und Leonard Bernstein, Dimitri Mitropoulos, Otto Klemperer oder Hanns Eisler, denen staatsgefährdende Machenschaften unterstellt wurden. Ein Beschluss von Regierungsseite förderte die Anlegung „schwarzer Listen“, nach denen verdächtige Personen indiziert wurden und nicht selten auch vor Gericht kamen, wo verhindert wurde, dass ein Kläger, so sehr er im Unrecht sein mochte, einem Kreuzverhör von Seiten der Verteidigung ausgesetzt werden konnte.

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Elmer Bernstein, der hier zum US-amerikanischen Verfassungstag am 25. März 1981 ein Militärorchester dirigiert, sah sich Anfang der 1950er Jahre der Gängelung durch die Innenbehörden ausgesetzt (MSGT Deal Toney, US Air Force p.d.).

Da der populäre Filmmusik-Komponist Elmer Bernstein ein paar Musikbeiträge für eine linksgerichtete Zeitung geschrieben hatte, wurde er von einem Kommitee der Regierung geladen sich zu erklären. Man bezichtigte ihn wie etliche andere Künstler in den Jahren zwischen 1950 und 1960 kommunistischer Umtriebe, was zur Folge hatte, dass er für die nächsten Jahre seine Ansprüche reduzieren musste und vorerst nur für den Ton von Streifen wie Cat-Woman of the Moon und Robot Monster sorgen durfte …

Auch der später weltweit gefeierte Dirigent und Komponist Otto Klemperer wurde noch vor den Jahren seiner großen europäischen Erfolge wegen seiner Sympathien für linke Parteien verfolgt und sowohl von den Staatsbehörden als auch vom FBI „heimgesucht“. 1952 verweigerte ihm die US-Regierung die Erneuerung seines amerikanischen Passes, was ihn dazu zwang, sich wieder in Europa anzusiedeln, nachdem er 1954 den deutschen Pass beantragt hatte.

Berüchtigt für seine Verfolgung linker „Aktivitäten“ und Sympathisanten, aber auch vom Kommunismus weitgehend unberührter Prominenter: Joseph McCarthy. Unter anderem sah sich seinetwegen Conlon Nancarrow gezwungen das Land zu verlassen und sich in Mexico niederzulassen (18.1.1950, US p.d.).

Wegen seiner Unterstützung linker Parteien wurde den Behörden auch der europafreundliche Komponist Aaron Copland, der später als (die) Ikone der US-Kunstmusik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehandelt wurde, verdächtig. Joseph McCarthy persönlich und Roy Cohn, die ihn zum Gespräch geladen hatten, suchten im mit zunehmend schärferen Tönen geführten Kalten Krieg auch nach Spuren kommunistisch-stalinistischer Einflüsse in seinem Werk. Die Beobachtung durch staatliche Behörden seit 1950, die erst 1975 tatsächlich beendet war, brachte ihn freilich gezwungenermaßen dazu, seine Rolle als Künstler in der Gesellschaft zu bedenken. Schließlich distanzierte er sich vom linken Gedankengut und wandte sich den Demokraten zu. Mehr als die Politik beschäftigte ihn gerade in dieser Zeit seiner häufigen Europareisen in den 1950er Jahren die dortige Entwicklung der Neuen Musik, wobei er an Elektronischer Musik, die ihm als zu unpersönlich schien und der aus seiner Sicht am Rande des Chaos stehenden neuartigen Aleatorik nicht viel abzugewinnen vermochte …

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.