Ben Chatwin - Staccato Signals

Schwelgen mit Schrecken

Ben Chatwin: „Staccato Signals“ (Village Green)

Ob und inwiefern Ben Chatwin selbst zwischen seinem Schaffen unter eigenem Namen und dem als Talvihorros unterscheidet, ändert nichts an der von ihm zuvor – so oder so – kaum zugemuteten Zugänglichkeit von Staccato Signals (Village Green Recordings). Doch obwohl – oder gerade weil – sich die Strukturen (mehr noch als die Texturen) klar erkennbar gerieren, handelt es sich um ein vor lauter An- und Entspannung geradezu zuckend-entzückendes Album, das auch qua Instrumentierung aus dem Vollen schöpft.

Synthetik und Streicher, Hörner und Hallraum: Geistesblitze begleiteten angeblich den Schreibprozess, als Staccato Signals betiteln sie ein überaus sinnlich ausstaffiertes Werk, dessen Episoden den durchgängigen Flow nur bekräftigen. Das ständig Aufgewühlte bricht sich Bahn, kommt wieder zur Besinnung, nur um sich erneut zu erregen. Die Nordsee als Inspirationsquelle ergibt Sinn, wenn brennend in ihr versinkende Ölplattformen mitgedacht werden.

Doch das naturalistisch-apokalyptische Element behält letztlich nicht die Überhand. Diese überraschend unkonventionelle Schlusswendung mag Hoffnungsschimmer schüren. Und dabei zugleich von einem Musiker zeugen, der sich anmaßt, seinen Horror zu kontrollieren. Dieses Auftrumpfen als Quintessenz hat indes nichts von blinder Selbstherrlichkeit. Denn was hier ins Schwelgen gerät, kann ohne das Wissen um eine Faktizität, die nichts von ihren Schrecken verloren hat, nicht existieren. Sapienti sat.

Bow Shock:
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ben-chatwin.com
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