Neues von nahezu Unbekannten

Who the heaven is … ?

Bratislava um 1770: Der schlesische Komponist Anton Zimmermann, dem ein nur knapp vierzigjähriges Leben beschieden war, tritt in Erscheinung und bestimmt maßgeblich den kulturellen Aufschwung der slowakischen Randmetropole „im Schatten Wiens“ (und der frühen Wiener Klassik) mit; seine sinfonische Musik steht im Zeichen eines musikalischen „Sturm und Drang“, dessen forsche Gangart schon Carl Philipp Emanuel Bach an der Schwelle zur Klassik vorgegeben hatte.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Harmonia Mundi bringt in Kürze ein Album mit Sinfonien von Anton Zimmermann (1841 – 1871) heraus (vorauss. ET: 17.8.2018, B07F5T7F9W).

Entsprechend frisch und von zündenden Ideen getragen wirken Zimmermanns hier von L’Arte del Mondo unter Werner Ehrhardt eingespielte drei Sinfonien in e-Moll, B-Dur und c-Moll. Sie atmen darüber hinaus in ihren akkordischen Passagen und der Melodiegebung ein wenig den unbeschwert wirkenden Geist der Londoner Dur-Symphonien Joseph Haydns.

Jan z Lublina (ca. 1490 – ca. 1550) legte mit seiner in deutscher Orgeltabulatur (d.h. in Notenzeichen und Buchstaben) abgefasster Sammlung einen einzigartigen Spiegel der in der Renaissance gängigen Stücke weltlicher wie geistlicher Provenienz vor (Brillant, B07D4ZLGCM, vorauss. ET: 3.8.2018).

Verdienstvoll ebenso die (über)fällige, nicht zuletzt der Finanzierung durch das Adam-Mickiewicz-Institut zu verdankende Aufnahme von Johannes von Lublins großer Tabulatur weltlicher wie geistlicher Weisen, gespielt auf einem Original-Cembalo aus der Renaissancezeit. Auf 260 Seiten finden sich in der Sammlung polnische Volkstänze der Zeit ebenso wie französische, italienische und deutsche Kompositionen von um 1540 namhaften Zeitgenossen mit mehr als 250 Beispielen – als aparte Miniatur sei hier nur der Tanz Poznanie angeführt, der auf seinen Ursprung der alten Stadt Posen verweist. Die Solistin Corina Marti ist Expertin und Professorin für mittelalterliche Tasteninstrumente an der Schola Cantorum Basiliensis.

Selbst im Rundfunk selten (und teils noch nie) zu hören: aktuelle dänische Musik für Akkordeon (B07F21FM5W, Naxos, vorauss. ET: 10.8.2018)

Als singulär dürfte auch die Edition von neuester, durch Hans Christian Andersen inspirierter Akkordeon-Musik gelten. Sie wird von der in Dänemark beheimateten Künstlerin Hanzhi Wang virtuos vorgetragen, für die einer der Komponisten, Martin Lohse, sein hier erstmals auf Tonträger erklingendes Werk The Little Match Girl (2015) schrieb. Außerdem stehen auf dem Programm der Aufnahmen von 2015 Lohses Passing (2011/12), Bent Lorentzens Tears (1992), Svend Aaquists Saga Night (1992) und Jesper Kochs Jabberwocky (1995). Gleichermaßen bemerkenswert ist eine neue Kollektion wenig bekannter Klavierstücke Sir Granville Bantocks, u.a. der Quickstep The hills of Glenorchy mit der Pianistin Maria Marchant (Somm, B07CCFRZVJ, vorauss. ET: 3.8.2018).

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.