Interview mit Sam Owen (Pram)

„Ein Album ist ein Statement“

Pram: „Across The Meridian“ (Domino Records/GoodToGo)

Rund elf Jahre nach The Moving Frontier ist mit Across The Meridian (Domino Records/GoodToGo) soeben – und endlich wieder – ein neues Album der einstigen Lo-Fi-Heroen Pram aus Birmingham erschienen. Ein Album, dessen besonderer Vorzug womöglich auch darin besteht, dass man selbst besten Willens nicht schlau aus ihm wird. Denn was anfänglich so klingt, als sei Anton LaVey auf einem Kinderkarussell seinem Schicksal überlassen worden, entfaltet im weiteren Verlauf eine intensive Bindung zu dem, was das Vertraute mit dem Unheimlichen kreuzt. Subversiv, ohne es darauf unbedingt anzulegen – und scheinbar von sämtlichen Zwängen des kollektiven Erinnerungsvermögens befreit, erschaffen Pram mit Across The Meridian ein mal kaleidoskopisch, dann eher märchenhaft orientiertes Stelldichein von nahezu nicht abwägbaren Fallstricken und Momenten des reinen Glücks. Multi-Instrumentalistin Sam Owen klärt im Gespräch ihre Sicht der Dinge, ohne dabei die eigentümliche Magie ihres herausragenden Albums auch nur im Ansatz zu verraten.

amusio: „Hi Sam, eigentlich widerstrebt es mir, dieses Interview zu führen. Denn ich fürchte, dass die Informationen, die ich nun bei dir erfrage, die wundersamen Bilder übertünchen könnten, die sich vor meinem geistigen Auge einstellen, wenn ich Across The Meridian höre. Kannst du meine Lage nachvollziehen?“

Sam Owen: „Absolut. Die Autonomie des Hörers ist ein Gut, dass ich sehr schätze. Aber ich glaube nicht, dass unser Gespräch die individuelle Rezeption unseres Albums fortan zwangsläufig manipuliert (lacht).“

amusio: „Es stellt sich ohnehin stets die Frage, ob und inwiefern Musiker danach trachten, die Reaktion auf ihre Erzeugnisse vorzuformen. Wie verhaltet ihr euch hinsichtlich der Versuchung, nicht nur die Ursache, sondern auch die Wirkung anleiten, kontrollieren oder gar definieren zu wollen?“

Sam Owen: „Nun, wir verfügen ja auch über eine ausgeprägt visuelle Komponente. Das Zusammenspiel von Klang und Bild gehört zu unseren bevorzugten Disziplinen, was sich zum Beispiel in der engen Kooperation mit dem Filmemacher Scott Johnson erschließt. Aber ich denke nicht, dass er oder wir dabei allzu konkrete Bilder erschaffen, die keine weiteren Interpretationsspielräume erlauben. So decken sich auch Scotts Intentionen nicht unbedingt mit jenen, die wir persönlich von seinen Bildwelten ableiten. Aber das ist vielleicht der wesentliche Kern unserer kreativen Neugier. Uns interessiert die Erzeugung eines atmosphärisches Setting, das dazu animiert, eigene Gedanken, Emotionen zu entwickeln oder sogar Schlussfolgerungen zu ziehen.“

amusio: „Gilt dies auch für den lyrischen Aspekt?“

Sam Owen: „Ich denke schon. Natürlich tendieren Songtexte immer dazu, das Feld der Imagination einzuengen. Aber da wir versuchen, allzu konkrete Bedeutungsebenen zu vermeiden, verbleibt auch das Verbale in einer Art offenen Schwebe. Zwar streuen wir hier und da narrative Hinweise, aber auch die bleiben mehrdeutig.“

amusio: „So auch auf Across The Meridian?“

Sam Owen: „Vielleicht sogar noch in stärkerem Maße als auf unseren vorherigen Veröffentlichungen. Als wir an dem Album arbeiteten, wussten wir selbst noch nicht, welche Art von Geschichte es erzählt. Und auch nicht, ob es einen Plot geben würde, der Across The Meridian thematisch zusammenhält. Erst als wir das Album abgeschlossen hatten, konnten wir uns vage auf sein Grundmotiv einigen. Across The Meridian handelt also vom Transitorischen, vom stetigen Wandel. Vielleicht (lacht).“

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