Ritual Aesthetic - Wound Garden

Musik zur Zeit

Ritual Aesthetic: „Wound Garden“ (Cleopatra/H’art)

Angesichts des Zweitwerks der ursprünglich als Solo-Projekt des Herrn Sean „Von Helvete“ Ragan an den Start gegangenen Industrial Metal Combo Ritual Aesthetic – Wound Garden (Cleopatra/H’art) – drängt sich der Wunsch auf, alsbald auch das im Selbstverlag erschienene Debüt (Decollect) wieder (oder erneut) aufzulegen. Denn das aktuelle Teil weckt Begehrlichkeiten. Jeder Track ein Treffer – zumindest für Fans von allem, was sich zwischen NIN, Revolting Cocks und Hocico in den vergangenen Dezennien so getan hat.

Was den so genannten Industrial Metal mit Grunge eint, ist die mehrheitsfähige Überzeugung, das beide Genres ihre Zeit längst hinter sich und somit auch gehabt haben. Mit einem derartig gepfeffert aufwartenden Album wie Wound Garden im Anschlag regt sich indes Widerspruch. Die gestandenen Jungs aus Denver scheren sich nämlich einen lodernden Kehricht um den Verdacht, stylische Anachronismen zu verfertigen. Wound Garden beliebt – bei aller gebotenen Kürze – sämtliche Köpfe einmal gehörig dem Schleudergang zu überantworten. Wobei die durchweg gegebene „Catchiness“ nichts von heischender Gutmütigkeit offenbart.

So neigt man eventuell dazu, sich Ritual Aesthetic in eine Epoche hinein zu wünschen, in der man selbst noch als „angry young wo-man“ durch die Gegend eierte, – und musikalisch brachiale Härten als Lebenselixier in einer von Saturation und bösen Vorahnungen dominierten Lebensrealität aufzusaugen pflegte. Doch nur weil die Welt seitdem noch beschissener geworden ist (und sich besagte Ahnungen längst bewahrheitet haben), muss dies nicht dazu führen, Bands wie Ritual Aesthetic in den Oldie-Schuppen der Gestrigen zu verbannen. Erst recht nicht angesichts eines Albums, das Trademarks und Haltung gleichermaßen zu wahren weiß.

The Analog Flesh:
youtube.com/watch?v=sUt98DYX0NI

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