Töne aus den Staaten: Michigan, New York

Andersartige Klänge mit neuen Instrumenten

Eine Entscheidung mit Tragweite: Lucia Długoszewski, Tochter polnischer Immigranten aus Detroit, hatte ebenso wie zu Lyrik und Musik einen großen Hang, als Ärztin tätig zu sein und beschloss nach dem Klavierstudium am Konservatorium ihrer Heimatstadt nach New York City umzuziehen. Die Musik, zu der sie schon als Heranwachsende mit Liedern beigetragen hatte, ließ sie aber auch dort nicht los und so besuchte sie die damals sehr gefragten Klavierkurse bei Grete Sultan, um ihre Fertigkeiten zu verbessern. Gleichzeitig nahm sie privaten Kompositionsunterricht bei Lehrern einer anerkannten Akademie, zunächst Felix Salzer, dann studierte sie mit Edgar Varèse.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Für die Foundation of Modern Dance schrieb Lucia Długoszewski (1931 – 2000) ‚Journey of a Poet‘ (David R. Tribble: Modern Dancers, 7.5.2009, GNU Free Doc. Lic.).

 

In den folgenden Jahren verschrieb sie sich beinahe gänzlich der Musik und fungierte als musikalische Leiterin für das Tanzensemble ihres Mannes Erick Hawkins, für das sie auch vielfach komponierte. Als Hawkins gestorben war, übernahm sie die Gesamtleitung und schuf 1998 ihre erste ganz eigene Choreographie. Auch mit der Filmvertonung – etwa zu den Streifen Guns of the Trees und Visual Variations on Noguchi war Długoszewski erfolgreich.

Die damals als dezidiert avantgardistisch empfundene Zusammenstellung der LP New American Music Vol. 2 enthält das aberwitzig schnelle und harmonisch vertrackte Blechbläserstück ‚Angels of the Inmost Heaven‘ von Lucia Dlugoszewski (ASIN: B001SDRMHM, Folkways Records 1975).

 

 

 

Ungewöhnlicher als die vielseitigen kompositorischen Aufträge vor allem in den Bereichen Kammermusik und Bühnenmusik sowie ihre Lehraufträge an der New York University nimmt sich ein weiterer, eher handwerksbezogener Schwerpunkt im Schaffen der Künstlerin aus: In den 1950er Jahren baute sie in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Ralph Dorazio – man denke dabei an Harry Partch – um die hundert Musikinstrumente, vorwiegend Perkussionsinstrumente, um, tüftelte aber auch an der Veränderung bereits existierender Klaviere; ihre bekannteste Erfindung wurde das „Kupferklavier“. Unter anderem in Abyss and Caress, das Pierre Boulez 1975 uraufführte, arbeitete sie mit ihren Eigenkreationen längere Zeit weiter. Mit dem Radical Otherness Concert suchte sie auf dieser Basis 1991 einen völlig neuen Klangstil zu erschaffen.

Literatur u.a.
Antje Olivier, Sevgi Braun: Komponistinnen aus 800 Jahren. Unna (?) 1996.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.