Max Prosa „Rangoon“ – Rio Reiser in Akustikgitarre?

Vorneweg wird gleich mal der Zahn gezogen: Wenn man sagen würde, dass wir hier den neuen Rio Reiser hören, wäre das vielleicht ein bisschen viel des Guten. Dennoch liegt der Vergleich nahe. Aber erst mal zurück zum Wesentlichen: Der junge Poet Max Prosa hat mit seinem Zweitlingswerk „Rangoon“ einen Gedichtband in Tönen abgeliefert – irgendwo zwischen Philipp Poisel und Rio Reiser, gespickt mit ein bisschen Dylan, Gesellschaftskritik und Jahrmarktsromantik. Sprachlich ist es von der ersten Singleauskopplung „Zauberer“ eben nicht so ein weiter Weg zum „Zauberland“.

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Max Prosa deprimiert manchmal - aber auf die schönste Weise / Foto: Sony Music

Max Prosa deprimiert manchmal – aber auf die schönste Weise / Foto: Sony Music

Zugegeben, für unbeschwerte Tanzabende ist „Rangoon“ nicht unbedingt geeignet. Dazu sind die Songs allesamt zu melancholisch – in Texten sowie Melodien – und beschäftigen sich mit den dunklen Seiten der menschlichen Natur und Seele. Das kann einem beim Hören schon mal die Stimmung verhageln. Hat man aber den passenden Grundpegel von Sehnsucht, Ruhe, Gram und Seelenschmerz erreicht, nistet sich Max Prosas Album in der eigenen Seele ein wie ein Fuchs in seinem Bau.

Der Vergleich mit Rio Reiser kommt also nicht von irgendwoher. Die zurückhaltenden Kompositionen erinnern das ein ums andere Mal an die ruhigeren Stücke des legendären Musikers. Aber vor allem die Texte auf „Rangoon“ sind gleichermaßen lyrisch als auch gesellschaftskritisch, wie man es vom alten Meister kennt. Was Dichtkunst angeht, setzt Max Prosa – der Name ist Programm – allerdings noch eins drauf. Schließlich wurde der gebürtige Berliner nicht ohne Grund 2012 als musizierender Poet entdeckt. So sind „Der Clown“ oder „Charlie“ eher lyrische Werke, weniger Songtexte, die vertont wurden und gleichzeitig den starken Beginn von „Rangoon“ kennzeichnen: „Und dressierte Menschen springen, / Wenn Dompteure Peitschen schwingen. / Schwindler sitzen auf dem Thron / … / Und der Clown ist jetzt der Held / Dieser schönen neuen Welt.“

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Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.