Interview mit James Veck-Gilodi & Tom Ogden (Deaf Havana)

„Braucht kein Mensch“

Deaf Havana: „Rituals“ (So Recordings/Rough Trade)

Nahezu im Alleingang – wenn auch an der Seite von Sound-Engineer Phil Gornell – schuf James Veck-Gilodi das fünfte Album „seiner“ Band Deaf Havana: Rituals (So Recordings/Rough Trade). Mit diesem Wurf gelingt dem jungen Mann aus Norfolk ein eigenartiger, aber auch mitreißender Spagat zwischen unverhohlenem Pop-Appeal, Gospel-Emphasen und schonungslos auf das Dilemma des Daseins hinweisenden Texten. Wir trafen ihn und Drummer Tom Ogden zum vormittäglichen Plausch im Schatten des Kölner Eigelsteintors.

amusio: „Hi James, Hi Tom, vorgestern habt ihr auf Bochum Total gespielt. Gibt es da etwas zu bereuen?“

James Veck-Gilodi: „Nein, nicht im Geringsten. Auch wenn ich eigentlich kein Freund von derlei Gratis-Veranstaltungen bin. Ich muss zugeben, dass ich mir weniger Zuspruch versprochen habe. Und dass wir nicht davon ausgehen konnten, dass offensichtlich viele Leute unsere Musik mögen, auch wenn sie nicht wissen, was wir zuvor so verbrochen haben.“

Tom Ogden: „Wir wurden zumindest nicht ignoriert. Oder zur Zielscheibe von Ignoranz oder gar Aggression. Nein, das war schon eine feine Sache.“

amusio: „Ihr werdet noch ein paar Sommer-Festivals hier in Deutschland spielen. Sind das Probeläufe für die sich anschließende Hallen-Tour, zu der dann ein Publikum strömt, das erahnt, was es dort erwartet?“

James Veck-Gilodi: „Wir sind keine Band, die ihre zu Tode gespielten Hits reproduzieren muss, um Erwartungshaltungen zu entsprechen, ihre Kundschaft bei Laune zu halten. Wir nutzen gerade die Gelegenheit, vor allem unser neues Material zu erproben. Es aus der zugegeben mühsamen Arbeit im Studio hinaus oder hinein zu tragen – in die Realität der Öffentlichkeit.“

amusio: „Wobei ihr als Band bereits desaströse Tour-Erfahrungen, so zum Beispiel in den USA, verzeichnen durftet…“

James Veck-Gilodi: „Ja, das stimmt. Aber das uns dann doch nicht traumatisiert. Deutschland ist hingegen ein sehr dankbares Pflaster für unsere Darbietungen. Vielleicht hat das auch dazu geführt, dass wir unser neues Album zunächst einmal hier promoten.“

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