Interview mit James Veck-Gilodi & Tom Ogden (Deaf Havana)

„Braucht kein Mensch“

Tom & James / Deaf Havana (Stephan Wolf)

amusio: „Es ist auffällig, dass Deaf Havana hierzulande auch von Mainstream-Medien aufgegriffen und berücksichtigt wurden – und vermutlich auch weiterhin werden: Tageszeitungen, Deutschlandfunk. En gros also nicht nur über intern-externe Kanäle zum Thema gemacht werden. Warum?“

James Veck-Gilodi: „Wenn ich das wüsste, wäre ich auch nicht schlauer. Jede Form der Aufmerksamkeit ist ja zunächst einmal … ja, was denn?! Wichtig? Wenn ich mir darüber den Kopf zerbräche, könnte Rituals zum allerletzten Album meiner und unserer Musiker-Karriere werden. Die annähernd fünf Jahre, die zwischen den Vorgängern Old Souls und All These Countless Nights lagen, braucht kein Mensch.“

amusio: „Mit All These Countless Nights belegtet immerhin Platz fünf der britischen Verkaufscharts. Spekuliert ihr nun auf den Platz an der Sonne, die Pole Position?“

Tom Ogden: „Da wären wir schlecht beraten. Rituals erscheint zeitgleich mit dem Soundtrack zu Mamma Mia 2 – keine Chance, aber auch egal.“

James Veck-Gilodi: „Nun ja, auf Platz vier wollen wir es schon schaffen, zumindest in unserem Heimatland (lacht).“

amusio: „James, in den vorliegenden Informationen zum Album äußerst du dich sehr detailliert über die lyrischen Beweggründe jedes einzelnen Songs. Und über den Umstand, es quasi im Alleingang geschrieben und umgesetzt zu haben. Arbeitet das alles nach wie vor in dir? Oder hast du mit der Fertigstellung von Rituals innerlich auch mit dem kreativen Prozess abgeschlossen?“

James Veck-Gilodi: „Nein, ich denke natürlich die ganze Zeit noch darüber nach. So auch über jene vermeintlichen Schwächen oder Fehler, die ständig mit ihren Zaunpfählen winken. Aber wir fokussieren uns nun auf die Live-Umsetzung, die deutlich rockiger – und somit signifikant – vom Studio-Album abweicht.“

amusio: „Vielleicht auch um dem Pop-Appeal des Albums entgegenzuwirken? Dem Vernehmen nach schließen sich Pop und Glaubwürdigkeit ja aus…“

James Veck-Gilodi: „Ich weiß, worauf du anspielst. Aber ich denke, dass allein meine Texte zu aufrichtig, zu nachdenklich, zu düster oder gar zu zynisch sind, um als lapidare Floskeln verstanden zu werden. Als Floskeln, ohne die Pop in Reinform nicht funktioniert. Zudem war es auch gar nicht meine Absicht, ein derartig poppig anmutendes Album zu schreiben. Es hat sich aus der Not ergeben. Ich brauchte einen neuen Ausdruck, vieles ergab sich spontan. Kalkül kann man mir nicht unterstellen. Ein Umstand, den ich vielleicht bedauern müsste.“

Tom Ogden: „Das kann ich bestätigen. Als James mit seinen Songs in die Runde kam, war mir klar, dass ich – selbst als Band-Mitglied – einfach besser mal die Klappe halten sollte, um den Ausdruck nicht zu verwässern. Verunsicherung empfand ich als das Letzte, was Rituals auszeichnen sollte, zumindest aus musikalischer Perspektive.“

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