Interview mit James Veck-Gilodi & Tom Ogden (Deaf Havana)

„Braucht kein Mensch“

Tom & James / Deaf Havana (Stephan Wolf)

amusio: „Aber Ed Sheeran wird als auch als authentisch verraten und verkauft…“

James Veck-Gilodi: „Klar, aber das schonungslose Element meiner Texte sollte als Unterscheidungsmerkmal genügen. Wobei ich den Kontrast aus offensiv beschwingter Musik und depressiv abgründigen Lyrics besonders schätze.“

amusio: „Die Essenz weicht von der Fassung ab…“

James Veck-Gilodi: „Genau.“

Tom Ogden: „Und ich musste mich, wie gesagt, von der ganzen Angelegenheit distanzieren. Und zugleich James gegenüber loyal bleiben. Ich finde, wir sind dennoch Deaf Havana geblieben. Vielleicht mehr als je zuvor. Trotz der Arbeitsteilung.“

amusio: „Wird das nun zum Erfolgsrezept? Oder stellt es eher eine Herausforderung dar, beim nächsten Album wieder alles anders machen zu wollen?“

James Veck-Gilodi: „Das Schöne ist doch, sich auf das Unbekannte einzulassen. Wiewohl ich dazu tendiere, beim nächsten Mal wieder ein klassisches Band-Album schreiben zu wollen. Doch, wer weiß?! Keine Ahnung. Der freie Wille bleibt Illusion (lacht).“

amusio: „Also werden die sich wunderbar einbringenden Chöre auf Rituals nicht als Markenzeichen ausgereizt?“

James Veck-Gilodi: „Auch wenn ein Chor – an sich – den vielleicht tiefsten Ausdruck menschlicher Regung in sich birgt, muss man nicht davon ausgehen, dass er fortan immer wieder für den musikalischen Versuch der Überwindung meiner Psychosen instrumentalisiert werden muss.“

amusio: „Rituals klingt jung und forsch. All These Countless Nights dagegen abgeklärt. Älter…“

James Veck-Gilodi: „Das ist mir auch aufgefallen. All These Countless Nights klingt definitiv nach dreißig plus.“

Tom Ogden: „Das ist ein interessanter Aspekt. Viele Pop-Produkte versuchen ja mitunter krampfhaft Jugendlichkeit auszustrahlen. Alte Menschen machen dann Musik für früh Vergreiste. Wir erscheinen schon mal älter, als wir sind. Diese Irritation kann ich nur gutheißen.“

amusio: „Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Catchiness und Cheesiness?!“

James Veck-Gilodi: „Catchiness lässt sich nicht beurteilen, sie entsteht und vergeht. Das ist nur individuell verhandelbar. Cheesiness ist hingegen eine Frage der Haltung. Wer nur so tut, als ob er cheesy sei, agiert verlogen. Wer jedoch cheesy ist, weil er cheesy ist, ist nicht cheesy.“

Sinner:
youtube.com/watch?v=jpeJAPl1iZk

deafhavanaofficial.com
facebook.com/deafhavana

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!