Interview mit Nick Flessa

„US-Amerikaner hassen Country-Musik“

Nick Flessa (Stephan Wolf)

Schon schön grotesk: Der US-amerikanische Filmemacher und Singer/Songwriter Nick Flessa spielt einen Gig an einem brüllend heißen Tag in einer Restauration des „belgischen Viertels“ zu Köln, die Gentrifizierung förmlich buchstabiert: fair gehandelter Kaffee mit Blaubeer-Geschmack im Angebot. Zum Glück der Erde gibt es noch die Option auf ein Kiosk-Bier, zu dem wir einander nach getaner Arbeit verabreden. Auch um über Flyover States (Elite Records) zu reden.

amusio: „Hi Nick, wie würdest du einen Menschen charakterisieren, der dein Album mag?“

Nick Flessa: „Als jemanden, der offen für Nebensächlichkeiten und Zwischentöne ist?!“

amusio: „Das ist als Antwort zu vage…“

Nick Flessa: „Dann also als einen Menschen, dem das Performative meiner Songs nicht übel aufstößt, weil er sonst kotzen müsste?!“

amusio: „Schon besser. Du agierst zwischen Ambivalenz und Magie. Auch vorhin, als du mehr an Tim Buckley denn an Johnny Cash erinnert hast …“

Nick Flessa: „Wenn ich nun behaupten würde, es habe sich um Absicht gehandelt, hätte ich prompt gelogen. Aber ich habe eine Distanz zum Album entwickelt. Es ist technisch immerhin schon zwei Jahre alt…“

amusio: „Und jetzt tourst du damit in Europa…“

Nick Flessa: „Ja, aber nur bis morgen, dann geht es zurück an die Westküste. In den Staaten ist das Album noch gar nicht offiziell veröffentlicht worden.“

amusio: „Weil – zu amerikanisch? Oder zu kritisch, zu sehr – reflektierend?“

Nick Flessa: „Bitte ohne Pauschalisierung: US-Amerikaner hassen Country-Musik! Sobald sie nicht identitär präsentiert wird. Wenn dem Cowboy nicht an seinen irischen Wurzeln gezogen wird, ist Schicht im Schacht. Aber gerade das macht es für mich als Künstler wieder interessant. Gewisse Schemata aufzugreifen, ohne sie zu bedienen.“

amusio: „Riskant…“

Nick Flessa: „Aber nicht lebensgefährlich, weder für mich, noch für die Hörer, die mich entdecken. Ich bin ja überwiegend Filmer. Die Musik erachte ich als persönlich gern genommene Ausweitung meines Ausdrucksvermögens.“

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